KlassikAuto Berlin

Sach- und Lachgeschichten aus einer Oldtimergarage



Lancia-Werkstatt

Auf Wiedersehen schöner Herbst.  Es ist frostig an einem sonnigen Samstagvormittag im November. Ich ziehe den Kragen meiner Lederjacke tief ins Gesicht um mich vor der unfreundlichen Kälte zu schützen. Höchste Zeit, dass meine Verabredung eintrifft, ein wenig Bewegung täte gut. Pünktlich bahnt sich eine Zugmaschine mit Anhänger rumpelnd seinen Weg über die mit Kopfstein gepflasterte Strasse und stoppt vor der Einfahrt meiner Garage. Fest verzurrt ruht auf dem Trailer eine italienische Fracht, deren Zustand ich in den nächsten Tagen genauer inspizieren soll: eine 1965er Fulvia Berlina 2C.

Eine echte Herausforderung...

Schon der erste Blick verrät, ihre Blütezeit hat die graue Limousine lange hinter sich. Blass und verwittert bietet sich das Farbkleid der Signora zur Schau, haltlos hängt die Schalttafel am Kabelbaum im Innenraum herum. Vergessen und verrostet parkt die demontierte Dunlop-Bremsanlage in einer Kiste im Kofferraum. Die komplexe Lancia-Technik hat ihren letzten Besitzer – einen Kraftfahrzeugmechaniker aus Nürnberg – sprichwörtlich ausgebremst. Anders lassen sich etliche Zeugnisse unfachmännischer Reparaturversuche nicht erklären. Kein Wunder also, dass der technische Artefakt Turiner Automobilbaukunst schließlich in der Konkursmasse einer fränkischen Autoreparaturwerkstatt landete. Dort entdeckt ein Leipziger Oldtimerfan die heruntergewirtschaftete Fulvia. In der Folge reiht sich die Bellezza in seine kleine Sammlung ein.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Nach einer intensiven Bestandsaufnahme und anschließender Kostenanalyse entschließt der sächsische Oldtimerenthusiast: Die Fulvia wird wieder auf Vordermann gebracht!
Doch das Projekt steht unter einem besonderen Aspekt…

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French Connection II

von M.Pohle am 1. März 2012

»Ich möchte mich für die immer positive Zusammenarbeit bei der Instandsetzung der Fulvia bedanken. Und auch dafür, dass du dieses nicht immer einfache Projekt übernommen und zu solch einem guten Abschluss gebracht hast. Ich möchte auch betonen, wie sehr ich Deine wunderbare Arbeit schätze. Es ist eine große Freude für mich, wieder mit dem Wagen durch die Straßen von Berlin rollen zu können.«
                                                                       F. S. (Berlin)

Dies ist der Wortlaut einer E-Mail, die mir ein junger Lancia-Fahrer schrieb. Wie kam es zu dieser erfreulichen Nachricht?

»Sommerfreuden schauen irgendwie anders aus!«

12 Monate zuvor kündigten Sonne und strahlend blauer Himmel an einem Freitagmorgen einen herrlichen Sommertag an. Um die Mittagszeit hing der Himmel voller dunkler Wolken. Blitzartig hatte sich die Gemütslage eines jungen Fulvisti verschlechtert, als er auf dem Heimweg von der Arbeitsstätte in einen Auffahrunfall verwickelt wurde. Wie eine Mauer hatte sich das Heck eines Porsche Cayenne vor seinem Fulvia Coupe 1,3S aufgebaut. Nachdem das Coupe am frühen Nachmittag in meiner Werkstatt angeliefert worden war, lautete meine erste Einschätzung zum Schadensumfang: Der Motor ist unbeschädigt geblieben, die Kosten für den Wiederaufbau könnten den Fahrzeugwert überschreiten. Einen Tag und eine intensive Ersatzteilrecherche später bestätigte sich meine Vermutung, die Instandsetzung der aus Frankreich stammenden Fulvia war wirtschaftlich grenzwertig. Trotzdem beschloss der junge Lancisti seinen ersten Oldtimer wieder aufbauen zu lassen.

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4497 lebt wieder

von M.Pohle am 2. November 2011

Viele Jahre lang versah der Motor einer in der Lancia-Szene recht bekannten Lancia Flavia Berlina pflichtbewusst und anstandslos seinen Dienst. Das Triebwerk mit der Motornummer 815.00-4497 bereitete keine Probleme. Sehr zur Freude des Besitzers, der mit der betagten Limousine nicht nur die entlegensten Winkel Deutschlands bereiste. Viele seiner Reisen führten ihn auch über die Landesgrenzen hinaus.

... kurz vor Wiederaufnahme der Arbeit

Arbeitsunwilliges Streikpersonal...

Im Frühling 2009  sandte der Motor am Ende einer »Dienstreise« zur Retro Classic von Berlin nach Stuttgart jedoch die ersten Signale, die nach Pflegemaßnahmen verlangten. Viele Autobahn- und Landstraßenkilometer forderten ihren Tribut. Die anvisierten Servicearbeiten konnten aber nicht mehr in Angriff genommen werden, da der Motor am Ende der Stuttgarter Messe fast vollständig seinen Dienst quittierte. Die linke Zylinderbank des Boxermotors hatte zum Streik aufgerufen.

Ich war mit dem Fahrzeug aus früheren Hilfestellungen bestens vertraut. Auf Bitten des Besitzers war es für mich selbstverständlich, mich auch um dieses Problem zu kümmern.
Werden Sie bei KlassikAuto Berlin Zeuge, wie 4497 wieder zum Leben erweckt wurde.

Beim Motor handelte es sich um ein 1500er Aggregat der ersten Serie von 1963. Ausgestattet mit 82,00 mm Kolben und kurzem Kurbelwellenhub. Allerdings nicht mit den Triebwerken 815.100 zu verwechseln, die zu Produktionsbeginn der Flavia- Baureihe in die Coupes eingebaut wurden. Fehlendes Drehmoment führte frühzeitig zu einer werkseitig verordneten  Leistungssteigerung dieser Motoren durch den italienischen Tuning- Spezialisten Nardi. Die interne Lancia-Bezeichnung lautete »Variante 1005«.
Spätere 1,5l Versionen der zweiten Flavia-Serie verfügten über eine Kurbelwelle mit verlängerten Hub und Kolben mit verkleinertem Kolbendurchmesser.

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L`epocha Lancia cominicia –
Die italienischen Momente im Leben

von M.Pohle 02.07.2011

In der Retrospektive lassen sich Geschehnisse nicht immer eindeutig und klar in Erinnerung rufen. Wie auch immer die Begegnung mit Kai Hofmann und Hans G. Schuster, zwei in der Berliner Lancia Szene überaus aktiven Lancisti, im Jahre 1999 zustande kam, hat sie nachhaltig meine automobile Leidenschaft beeinflusst. Waren Fahrzeuge der Marke Lancia für mich zuvor [...]

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