KlassikAuto Berlin

Geschichten aus einer Oldtimergarage und dem historischen Motorsport



Jim Clark Revival 2022

von M.Pohle am 5. Juni 2022

Michael Lyons trat ein letztes Mal aufs Gaspedal. Nur wenige Wimpernschläge später winkte die karierte Zielflagge den Briten auf seine verdiente Ehrenrunde, um sich den Applaus für seinen Sieg von den Zuschauern auf den Tribünen abzuholen. So geschehen im zweiten Rennen des Group C Supercups auf dem Hockenheimring am ersten Wochenende im Mai.

Michael Lyons - Gebhardt JC843

Auch die Wiederkehr der Gruppe C Supersportwagen nach Ihrem erfolgreichen Comeback im letzten Jahr war wieder ein Spektakel auf der badischen Formel 1 Rennstrecke. Auf den Geschmack gekommen, lieferte die zweite Ausgabe des Group C Supercups mit aufgestockten Rennklassen und neuen Teilnehmern erneut ein Fest für die Augen und Ohren eines jeden Motorsportfans.

KlassikAuto war wieder dabei und erzählt die ganze Geschichte eines außergewöhnlichen Rennwochenendes in Wort und Bild…

Die Aufstockung um die Einladungsklasse C3, in der sich Sportwagen aus der Vorzeit der Gruppe C Ära, die einst ihre Rennschlachten in Le Mans ausgefochten haben, war die wichtigste Neuerung beim diesjährigen Gruppe C Supercup. Eine stattliche Anzahl BMW M1, Porsche 935 und ein BMW CSL bereicherten das Starterfeld und boten neben den altbekannten Modellen Porsche 962 C, Gebhardts und Spice eine gelungene Retrospektive des Motorsports.
Sehr zur Freude des Publikums wurde das letztjährige freie Training durch ein zweites Rennen ersetzt. Viel Spannung und packende Positionskämpfe lagen am Wochenende in der Luft.

Das virtuose Spiel von Marco Werner im Gebhardt C88 und dem 71-jährigen Dänen Lars Erik Nielsen im Porsche 962C am Ladedruckregler für die Turbolader ihrer Rennmaschinen, bestimmten im fesselnden Wettstreit alter Hasen gegen junge Wilde wie Michael Lyons im Gebhardt JC843 von Beginn an das Geschehen. Zwei Code 60 Phasen in beiden Läufen kamen so gerade recht. Die Tempobeschränkung auf 60km/h kühlte überhitze Bremsen der Rennwagen und Gemüter der Piloten ab.

Auch in diesem Jahr schrieb der Vorjahressieger Lyons wieder seine persönliche Geschichte in die neu aufgeschlagene Chronik des Group C Supercups. Nicht zwingend durch seinen erneuten Erfolg – vielmehr durch den Umstand, dass der Gebhardt JC843 erst in der Woche vor dem Rennen fertig restauriert wurde und nur einige Runden auf dem hauseigenen Parkplatz zum Test absolvierte.
Das Freud und Leid oftmals beieinander liegen, bestätigte indes ein anderer Protagonist…

Ein weiteres Mal avancierte auch in der zweiten Auflage des Supercups Marco Werner zum großen Pechvogel. Wie bereits im Vorjahr, musste er seinen Gebhardt C88 aussichtreich an Poleposition liegend, an der Box abstellen. Ein irreparabler Getriebeschaden mit Folgeschäden an der Kupplung und dem Differential im ersten Rennen beendeten erneut frühzeitig das Engagement des dreimaligen Le Mans Gesamtsiegers am Hockenheimring. Werners Schicksal ebnete anschließend den Weg für einen ungefährdeten Sieg des Porsche 962C von Erik Nielsen im ersten Rennen.

Gebrochene Antriebswellen, Lichtmaschinenschäden, ein Getriebeschaden, zum Abschluss gar ein Motorschaden und mehrere Tempobeschränkungen nach Ausfällen im Rennen – die Vielzahl der Defekte bezeugte, dass die Supersportwagen auch vier Jahrzehnte nach ihren glorreichen Rennschlachten beherzt von ihren Piloten über den baden-württembergischen Rundkurs gelenkt wurden. Überdies brachten sie hinter den Kulissen nebenbei erzählenswerte Geschichten hervor. So wie jene von Georg Hallau.

Der Berliner stellte seinen exotischen March 84G nach dem Bruch einer Antriebswelle im Qualifying ohne Aussicht auf die Möglichkeit einer Reparatur in der Box ab. Die zufällige Begegnung mit dem Ex-Besitzers eines March am Samstagnachmittag in der Pit ließ unerwartete Hoffnung aufkommen, verfügt dieser doch noch immer über ein Ersatzteillager für Marchrennwagen. Doch die Hoffnung währte keine ganze Nacht. Die von den Mechanikern in einer abenteuerlichen Ersatzteilbeschaffung innerhalb Deutschlands beschaffte Ersatzwelle erwies sich schließlich als fünf Millimeter zu kurz!

Georg Halau, March 84G

Felix Haas, ADA, Cosworth V8

Die wiederholte Ausgabe des Supercups bedeute aber nicht nur für die beliebten Superrennwagen und Motorsportfans ein erneutes Wiedersehen. Am Wochenende seines 70.Geburtstages nahm der Le Mans Gesamtsieger Stanley Dickens nach 36 Jahren wieder in jenem Fahrzeug Platz, an dem einst seine Rennfahrerkarriere begann. Die bewegte Rückkehr hinter das Lenkrad des Gebhardt C853 und die Zusammenkunft mit alten Weggefährten jener Zeit feierte der Schwede gebührend mit einem Podestplatz in seiner Klasse.

Gebhardt C853

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