KlassikAuto Berlin

Sach- und Lachgeschichten aus einer Oldtimergarage



French Connection II

von M.Pohle am 1. März 2012

»Ich möchte mich für die immer positive Zusammenarbeit bei der Instandsetzung der Fulvia bedanken. Und auch dafür, dass du dieses nicht immer einfache Projekt übernommen und zu solch einem guten Abschluss gebracht hast. Ich möchte auch betonen, wie sehr ich Deine wunderbare Arbeit schätze. Es ist eine große Freude für mich, wieder mit dem Wagen durch die Straßen von Berlin rollen zu können.«
                                                                       F. S. (Berlin)

Dies ist der Wortlaut einer E-Mail, die mir ein junger Lancia-Fahrer schrieb. Wie kam es zu dieser erfreulichen Nachricht?

»Sommerfreuden schauen irgendwie anders aus!«

12 Monate zuvor kündigten Sonne und strahlend blauer Himmel an einem Freitagmorgen einen herrlichen Sommertag an. Um die Mittagszeit hing der Himmel voller dunkler Wolken. Blitzartig hatte sich die Gemütslage eines jungen Fulvisti verschlechtert, als er auf dem Heimweg von der Arbeitsstätte in einen Auffahrunfall verwickelt wurde. Wie eine Mauer hatte sich das Heck eines Porsche Cayenne vor seinem Fulvia Coupe 1,3S aufgebaut. Nachdem das Coupe am frühen Nachmittag in meiner Werkstatt angeliefert worden war, lautete meine erste Einschätzung zum Schadensumfang: Der Motor ist unbeschädigt geblieben, die Kosten für den Wiederaufbau könnten den Fahrzeugwert überschreiten. Einen Tag und eine intensive Ersatzteilrecherche später bestätigte sich meine Vermutung, die Instandsetzung der aus Frankreich stammenden Fulvia war wirtschaftlich grenzwertig. Trotzdem beschloss der junge Lancisti seinen ersten Oldtimer wieder aufbauen zu lassen.

Der schnelle Fund eines Teilespenders in der nahen Umgebung von Berlin erwies sich für mich und das Projekt äusserst hilfreich. Nicht nur, das ich die benötigten Karosserieteile requirieren konnte, der unverformte Frontaufbau diente auch als Muster für die Herstellung zweier Karosserielehren. Der Bau der Lehren war notwendig, denn das verunfallte Fulvia-Coupe verfügte über zwei  weitere, bedingt sachgemäß reparierte Vorschäden aus der Vergangenheit. Spalt,- Längen- und Höhenmaße sollten schließlich später wieder ordnungsgemäß stimmen.
Die Mischung macht´s: In einem Mix aus guten gebrauchten Karosserieteilen, nachgefertigten Blechen und einem neuen, originalen Frontblech rekonstruierte ich den Vorderwagen nach den Werksspezifikationen von Lancia.
Gleichzeitig beseitigte ich weitere Schwächen am Vorderwagen. Ein völlig verbastelter Kabelbaum wurde instand gesetzt, falsche Fahrwerksteile gegen die korrekten Komponenten ausgetauscht und manch fehlendes Original-Kleinteil herbeigeschafft. Auf Wunsch des Eigentümers galt es für mich zu berücksichtigen, die über die Jahre entstandene Patina zu erhalten. Trotz einer fachgerechten und für das Auge ansehnlichen Arbeit sollten die Spuren der Geschichte des 40 Jahre alten Coupes nicht gänzlich verwischt werden.

10 Monate nach Beginn der Arbeit übergab ich die gerichtete Fulvia ihrem Besitzer. Ein schwieriges, von Rückschlägen begleitetes Projekt fand mit dem anerkennenden Nicken eines KFZ- Sachverständigen seinen Abschluss, einen deutlich gestiegenen Fahrzeugwiederbeschaffungswert im abschließenden Classic-Data-Wertgutachten eingeschlossen. Viel mehr Lob jedoch war für mich die E-Mail vom Eigentümer, die ich erhalten habe.

Die Kommentarfunktion ist für diesen Beitrag deaktiviert.