KlassikAuto Berlin

Sach- und Lachgeschichten aus einer Oldtimergarage



French Connection

von M.Pohle am 24. Oktober 2011

»Wo Frankreich drauf steht, muss auch Frankreich drin sein!« Mit dieser übereinstimmenden Aussage zweier Lancisti könnte es begonnen haben. Oder so ähnlich. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern.
Gegenstand der Unterhaltung waren die Scheinwerfer eines Lancia Fulvia Coupes der II.Serie von 1972, das bis Winter 2009/2010 mit französischer Zulassung und landestypischer Fahrzeugausrüstung über Berliner Strassen rollte.

Nicht immer bringen Scherben Glück

Wie für Land und Zeitepoche üblich, verfügte das italienische Coupe über gelbe Leuchtmittel. Diese durfte es daher im Zuge der deutschen Fahrzeugabnahme und H-Kennzeichnung auch behalten.
Im Spätsommer letzten Jahres erlitt das schicke Coupe bei einem Rendevous mit dem Heck eines Zuffenhausener SUV heftige Blessuren im Frontbereich. Leider blieben die Scheinwerfer dabei nicht verschont.

Zehn Monate beschäftigte mich die Rekonstruktion und gleichzeitige Restaurierung des Vorderwagens. Fast genauso viel Zeit verging, um wieder passende gelbe Scheinwerfer des Herstellers Carello zu beschaffen.


Schwierig, aber nicht unlösbar. So schätzte ich die Suche nach der länderspezifischen Beleuchtungsausrüstung ein. Eine Flasche 24 Jahre alter Malt-Whiskey als Erfolgsbonus, war für mich hochprozentige Motivation die Aufgabenstellung anzugehen.
Der Erfolg schien sich schneller einzustellen, als ich dachte. Noch bevor die Suche begonnen hatte, erreichte mich eine Anfrage für Flavia Ersatzteile aus dem Land des Baguettes.
Zwar konnte ich dem französischen Lancisti nicht persönlich behilflich sein, er mir dafür aber um so mehr. Er besaß nämlich die gesuchten Scheinwerfer. Schnell wurden wir uns handelseinig.
Leider währte meineVorfreude über den Erfolg nur so lange, bis ich ein Paket aus Frankreich freudestrahlend vom Paketzusteller entgegen nahm. Ein klirrendes Geräusch verriet mir sofort: Die begehrten Objekte hatten den Transport nicht unbeschadet überstanden und Glasbruch erlitten. Ich stand erneut am Anfang und musste mich nochmals als Trüffelschwein betätigen.

Ich spreche kein französisch. Dank Google-Übersetzungsprogramm heutzutage aber kein Problem mehr. Trotzdem lies ich Vorsicht walten. So verwies ich in den unzähligen Mails an die regionalen Clubbüros des Lancia Club France stets zu Beginn auf meinen elektronischen Dolmetscher.  Ich befürchtete, dass die Ergebnisse der Übersetzungsmaschine schallendes Gelächter und Schenkelklopfen verursachen könnten. Aber es kam nie eine Antwort von der westlichen Seite des Rheins.

Objekt der Begierde

Mein  luxemburgischer Lancia-Freund Lucien erröffnete für mich im fränzösischen Lancia-Forum einen Thread. Die Antworten dazu waren abenteuerlich, aber auch lehrreich. Ich lernte, wie man weiße Scheinwerfergläser aus dem Gehäuse separiert. Sich durch Wärme dabei die Finger verbrennt, den Reflektor »leider«mattiert und welche Glasmalfarbe nur mittelmässigen Erfolg beim Einfärben der weißen Gläser bringt. Amüsanterweise meldeten sich auch deutsche Lancisti zu Wort. In perfektem französisch belehrte man mich, dass gelbe Scheinwerfer in Deutschland nach StVO verboten sind. Hinweise zum Ankauf der gesuchten Objekte jedoch blieben leider aus.

Aber Ebay brachte dann den gewünschten Erfolg. Im Frühling entdeckte ich auf den französischen Seiten des Auktionshauses die begehrten Leuchtmittel. Endlich. Monatelang hatte ich täglich die Seiten besucht. Nach einer ersten schriftlichen Anfrage an den Verkäufer zog dieser plötzlich die Scheinwerfer von der Auktion zurück. Der Schreck saß tief. Aber ich schaffte es, dieses mysteriöse Rätsel zu lösen. Und so konnte ich nur wenige Tage später je einen Satz neuer Ablend- und Fernscheinwerfer preiswert ersteigern. Zwei Wochen später erhielt ich ein Paket aus Paris. Diesmal waren die Scheinwerfereinsätze gut verpackt und hatten den Transport unbeschadet überstanden.
Die übrigen, benötigten Ersatzteile für die Beleuchtungsanlage lagen alle in meinem gut sortierten Ersatzteillager; vom Zierring bis zur Gummiunterlage für die Scheinwerfertöpfe. Der Rest war für mich schließlich kein Problem mehr. Schnell waren die Scheinwerfer in die gerichtete Karosserie eingebaut. Nicht nur zu meiner, sondern auch zur Freude des glücklichen Besitzers des Lancia Fulvia Coupes.

»Wo Frankreich drauf steht, ist nun auch wieder Frankreich drin!«

Voilà!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ach, übrigens: Das die Flasche Whiskey nunmehr meine Hausbar bereichert, war nicht selbstverständlich. Erfreut mich aber umso mehr.
Hin und wieder gönne ich mir ein Glas des köstlichen Stoffs.

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Feiereisen Lucien Oktober 7, 2011 um 12:29

Hallo,
die Suche nach den Scheinwerfern war sehr abenteuerlich. Ich bekam aus dem Forum allerelei Tipps und Tricks, wie man aus weißen Scheinwerfen gelbe machen kann. Michael hat das auch schon erklärt. Dann musste ich alles von französisch auf deutsch übersetzen. Alles in allem war es sehr interessant. Und wenn noch einer von Euch etwas in Frankreich oder Belgien kaufen will, kann er sich gerne bei mir melden.
Der luxemburgische Lancia-Freund
Lucien

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