<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>KlassikAuto Berlin &#187; Mit Motoroel geschrieben</title>
	<atom:link href="http://www.klassikauto-berlin.de/category/kolumnen/mit_motoroel_geschrieben/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.klassikauto-berlin.de</link>
	<description>Sach- und Lachgeschichten aus einer Oldtimerwerkstatt</description>
	<lastBuildDate>Sat, 21 Feb 2026 11:58:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.1.3</generator>
		<item>
		<title>Benzinköpfe</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2017/04/benzinkopfe/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2017/04/benzinkopfe/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 11 Apr 2017 23:45:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=5210</guid>
		<description><![CDATA[Sie nennen sich »Benzinköpfe«. Selbstverständlich gibt es auch einen korrekten Ausdruck, der dem neumodisch anglifizierten, deutschen Sprachgebrauch Rechnung trägt: PETROL HEADS! Die passende Begriffserklärung und was ein Musterexemplar kennzeichnet, dem Ottokraftstoff das Gehirn vernebelt, liefert die Sonntagsausgabe einer renommierten Tageszeitung. Dort wird der Welt präzise erklärt, es bedarf zunächst erst einmal eines Automobils. Natürlich nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Sie nennen sich »Benzinköpfe«</strong>. Selbstverständlich gibt es auch einen korrekten Ausdruck, der dem neumodisch anglifizierten, deutschen Sprachgebrauch Rechnung trägt: PETROL HEADS!</p>
<div id="attachment_5213" class="wp-caption alignright" style="width: 225px">
	<a class="highslide img_1" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2016/03/Petrolheads.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-5213 " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2016/03/Petrolheads-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>
	<p class="wp-caption-text">... gehört in den Tank, nicht in den Kopf!</p>
</div>
<p>Die passende Begriffserklärung und was ein Musterexemplar kennzeichnet, dem Ottokraftstoff das Gehirn vernebelt, liefert die Sonntagsausgabe einer renommierten Tageszeitung. Dort wird der Welt präzise erklärt, es bedarf zunächst erst einmal eines Automobils. Natürlich nicht irgendeines. Es muss zwar nicht teuer sein, darf aber nicht für die einfache Beförderung von A nach B dienen. Schnell wäre nicht schlecht. Überdies hinaus muss man es wirklich lieben! Ganz nebenbei wird die bekannte Floskel »Jemand hat Benzin im Blut« als inkorrekt und nicht mehr zeitgemäß bestimmt. Ich habe die letzten dreißig Jahre meines Lebens mit Kopf und Hand der benzinbetriebenen Fortbewegung auf vier Rädern gewidmet &#8211; vom morgendlichen Wimpernaufschlag bis zum allnächtlichen Licht ausknipsen. Und nun diese Aussage. Hatte ich die veränderten Zeichen der Zeit unbemerkt in einem Motorraum oder unter einer Hebebühne verschraubt? Verzweifelt begann ich zu grübeln.</p>
<p>Es blieb mir nichts anderes übrig, als der Angelegenheit auf die Spur zu gehen. Also besuchte ich das PS Online- Magazin des besagten Druckerzeugnisses. Dort philosophieren acht Benzinköpfe regelmäßig über ihre Erlebnisse und Überzeugungen rund um das Automobil. Ich stieß auf ein besonderes Exemplar dieser Spezies&#8230;</p>
<p><span id="more-5210"></span></p>
<p><strong>Ferrari!</strong> Warum erregt die Automobilmarke mit dem tänzelnden Pony so viel Aufsehen? Ich verstehe es nicht! Meine vier Begegnungen mit den Sportwägelchen aus Maranello waren eher ernüchternd. In der Mitte der 1990er Jahre besuchte ich den Oldtimer Gran Prix am Nürburgring. Im Fahrerlager präsentierten sich meinen Augen fast fünfzig Exemplare des damaligen Supersportwagen Typ F40, alle in der gleichen Farbe: In Rot.<br />
Von 1315 hergestellten Fahrzeugen wurden weniger als 12 Exemplare in einer anderen Farbe als Ferrarirot ausgeliefert.<br />
Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie haben fast ein halbe Million für ein Auto ausgegeben, und ständig verwechseln Sie beim morgendlichen Aufschließen der Fahrertür die Karre mit der ihres gleichfalls gutbetuchten Nachbarn.</p>
<p>Überdies erregten an jenem Wochenende einige klassische Extravaganzen aus der Edelschmiede meine Aufmerksamkeit. Ihre Kleidchen waren auf Hochglanz geputzt, die Radhäuser schmutzfrei und die Reifen ohne Abrollspuren auf dem Profil. Ein verdächtiger Umstand allerdings verwirrte mich &#8211; die stummen Zeugen vom Rausch der Geschwindigkeit auf den Scheinwerfergläsern und Windschutzscheiben. Woher stammten nur all die vielen zerplatzten Insekten? Mir drängte sich  der Verdacht auf, hier kann es sich nur um tote Fliegen aus der Spraydose handeln. Argwöhnisch versuchte ich Licht ins Dunkle zu bringen und befragte unzählige Besitzer der formschönen Kostbarkeiten nach diesem sonderbaren Umstand. Ich stieß auf eine Wand des Schweigens. <br />
Selbst renommierten Herstellern der Autokosmetikindustrie ist dieses Wundermittel unbekannt.  Meine vielfachen Recherchen in den Produktinformationen und Anfragen in den hiesigen Vertriebsabteilungen der Pflegemittelhersteller blieben bis heute erfolglos. Nach über zwanzig Jahren intensiver Fahndung drängt sich mir die Erkenntnis auf, hier kann es sich nur um ein streng geheimes Produkt aus dem Hause Ferrari handeln. Ausnahmslos erhältlich für gutbetuchte Reiter, die ihr Pony ohne Schweißperlen auf der Stirn <em>nicht</em> an dessen Leistungsgrenzen treiben wollen. Oder zur Vorbeugung depressiver Stimmungsschwankungen, wenn der kleine Hengst sich im Winter wieder einmal vor dem Schnee sträubt. Dabei hätte ich ein Sprühfläschen dieses Wundermittel so gern, um einigen Exponaten meines Fuhrparks ein wenig Gebrauchszustand zu verpassen.</p>
<p>Am Ende der 1990er Jahre synchronisierte ich die Vergaseranlage eines Ferraris 308. Nach erfolgreich bewerkstelligter Arbeit  klingelte es viele Wochen in meinen Ohren und ich litt unter ausgeprägter Schwerhörigkeit.</p>
<p>Meine letzte Begegnung mit dem Mythos Ferrari führte mich endgültig an die Schwelle einer Depression. Ich kurvte vor drei Jahren mit einem Freund auf der Suche nach Ersatzteilen für seinen Alvis in einem 612 Scaglietti durch die verregnete Stadt. Berlins orthopädische Ärzteschaft verzeichnete am nächsten Tag einen erheblich angestiegenen Anteil an verrenkten Halswirbelsäulen &#8211; vermutlich. Ich indessen entstieg nach sechs Stunden vollkommen gelangweilt einem Auto, dessen Auspuff so heiser hüstelte, wie die von einem Katarrh gequälten Stimmbänder eines Heranwachsenden während des Stimmbruches, weil er heimlich raucht. War meine automobile Leidenschaft nach dreißig Jahren tatsächlich schon so abgestumpft? Sie war es nicht! Aber dazu später mehr.</p>
<p><strong>Das es auch Menschen</strong> mit anderen Sichtweisen gibt, davon zeugen die Bekenntnisse eines Ferrari-Fahrers auf besagtem PS-Magazin. Mit 12 Zylindern, 515 Pferdestärken und einem gebrauchten 575 Maranello erfüllt der Pferdeflüsterer natürlich die Grundvoraussetzungen für die Aufnahme in den Club der Petrol Heads. Mir scheint allerdings, man ist in jener elitären Gemeinschaft gerne geheimnisvoll. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der gute Mann die Welt unter dem Pseudonym <em>Anonymus</em> an seinem Bazillus teilhaben lässt. Aber ich lerne schnell: Als Dompteur eines italienischen Vollblüters hat man es im automobilen Leben nicht leicht!</p>
<p>Das Leiden eines Ferrarista beginnt damit, dass sich das schwarze Vollblut gerne als Sommerpony entpuppt. Es liegt natürlich nicht am Hengst aus dem Gestüt in der Via Emilia No.1163. Viel mehr  entpuppt sich der Reiter als latent depressiv, weil er im Winter mit seinem Ross selbstverständlich nicht  über verschneiten oder vereisten Asphalt galoppieren will. Das geliebte Rennpferd könnte Gefrierbrand erleiden. Oder gar an einer Streusalzinfektion erkranken. Obendrein bekundet das spezielle Exemplar eines Benzinkopfes offenherzig, dass es sich nach dem Kauf seines <em>Cavallino Rampante </em> einfach keine Winterreifen mehr leisten kann. Also steht sich der teure Sportwagen in der frostigen Jahreszeit in einer dunklen Tiefgarage die Beine in die Hufeisen, staubt ordentlich ein und sorgt für schwere Stimmungsschwankungen beim Jockey. Wie viele vom Winter leidgeprüfte Petrol Heads könnte auch bewusster Automobilenthusiast auf ein bewährtes Heilmittel zurückgreifen &#8211; ein gutes Buch bewirkt Wunder, während Schneeflocken und Eiskristalle um die Gunst vom Wintermantel buhlen. Aber das Martyrium anonymer Liebhaber modenesischer Sportwagen setzt sich fort.</p>
<div id="attachment_5964" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_2" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2017/04/Petrolheads_3.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-5964" title="KlassikAuto-Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2017/04/Petrolheads_3-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Hier kommt´s rein: Stilvolle Futterluke</p>
</div>
<p>Spätestens bei der Auswahl das Gemüt belebender Leselektüre über die heißinnig verehrte Edelmarke widerfährt einem Pferdefreund das Gefühl der Minderwertigkeit. Jaaa, für Porsche-Fahrer gibt es Berge erstklassiger Literatur und ansprechende Zeitschriften, während das Angebot und die Güte im Blätterwald über den ikonischen Sportwagenhersteller aus Italien nicht annähernd mit der Qualität seiner Produkte aus den Werkhallen schritthalten kann. Nur 1000 verfügbare Titel erfordern außergewöhnlichen Spürsinn, um die richtige Auswahl zwischen Kitsch und <em>der</em> leider nicht mehr lieferbaren, heiligen Bibel über den <em>Opus Ferrari</em> zu wählen. Überdies verlangen tatsächlich einige der Publikationen nach der goldenen Kreditkarte des Lesers. Langsam fing Anonymus an mir leid zu tun. Ich war froh zu lesen, dass der grausam gebeutelte Benzinkopf wenigstens ein erstrebenwertes Buch fand, um vor winterlichen Depressionen gewaffnet zu sein.<br />
Gott sei Dank ist der Gute kein Fan eines Rover P4 – nur fünf erhältliche Buchtitel, keiner in deutscher Sprache, bieten nämlich wahrhaftig Grund beim Oberhaupt der örtlichen Pfarrgemeinde um seelischen Beistand zu bitten!</p>
<p><strong>Winterliche Standschäden in der Gemütslage eines benzingetränkten Gehirns genesen hundertprozentig im Frühjahr. </strong></p>
<p>Kaum sind mit dem ersten Sonnenstrahl die eingestaubten Schutzdecken vom Herzenbrecher gezogen, erweckt die bevorstehende Saison ein alljährlich wiederkehrendes Ritual: den Frühjahrsputz<br />
Mit Inbrunst, die einem sonst nur auf dem Stehplatz in der Stadionkurve eines Fußballklubs begegnet, wird in den Garagen staubgewedelt, shampooniert, trockengeledert und geölt. Nebenbei wird mit der Frühjahrspflege auch die monatelang eingefrorene Beziehung zum geliebten Fortbewegungsmittel aufpoliert. Moderne Rennreiter hingegen lassen putzen. Sie bringen ihr geliebtes Objekt zum Pferdepfleger: einem Kosmetiker oder auch Car Detailer genannt.<br />
Natürlich! Ein Sportwägelchenjockey macht sich manikürte Fingernägel nicht persönlich schmutzig. Das der italienischen Rappen nur mit allerfeinsten Kosmetika unser eidgenössischen Nachbarn aufgefrischt wird, versteht sich von selbst. Das ist jenes sündhaft teure Zeug, das man mit den bloßen Händen über die Haut und Rundungen seines Schatzes streicht. Es gibt sogar einen Tiegel Wachs mit klangvollen Namen, der exklusiv für das Fell der edlen Rösser aus Modena komponiert wurde: <em>SCUDERIA.</em><br />
Mit außerordentlich wohlriechenden Shampoos, Cremes und Wachsen wird dem edlen Ross zu Leibe gerückt. Unfassbar, wie berauscht A. die Aromen der heilig geschriebenen Pflegemittel authentisch zum Erleben brachte. Plötzlich umgab ein mir wohl vertrautes Bukett meinen Bildschirm, fast so, wie es  jeden Freitagabend daheim duftet, wenn meine Hauszierde aus dem russischen Kosmetiksalon an der Ecke heimkehrt &#8211; und beweint, wie teuer doch der Erhalt der Schönheit wäre.<br />
Gewaschen, die Falten geglättet, poliert und gewachst, glänzt der Hengst wieder wie neu &#8211;  und bleibt doch nur ein gebrauchter Klepper. Sie ahnen es sicherlich, zum Leiden  moderner Petrol Heads verlangt der professionelle Mann mit der göttlichen Striegelbürste gerne nach der goldenen Kreditkarte.<br />
Und überhaupt frage ich Sie: Würden Sie Ihr Schätzchen von einem Fremden befummeln lassen?</p>
<p>Mit frisch gestriegeltem Hengst kann der Ferrarista wieder auf die Rennbahn traben. Endlich steht nach Monaten der Entbehrung dem ersten Ausritt nichts mehr im Wege. Kaum auf dem Geläuf, naht schon das nächste Unheil. Wie lästige Flöhe im Fell, hängen sich AMG getunte Familiensterne oder als Rennwagen charakterisierte Vertreterkutschen biederer Großserienhersteller an den Schwanz des edlen Rosses. Klar, Ferrari-Fahrer bleiben in solchen Momenten gelassen, sie lassen sich nicht von jedem Gaul aus der Reserve locken. Obwohl sie schon gerne um die Wette streiten &#8211; mit Maserati, Lamborghini oder Porsche.<br />
Statt ordentlich aufs Gas zu treten, philosophiert der Reiter lieber darüber, dass ein Ferrari 575  zur Vernunft, Bescheidenheit und Sparsamkeit erzieht. Hohe Wartungskosten und der geringe Benzinverbrauch von 36 Liter auf 100 Kilometern reißen diskussionswürdige Lücken ins Familienbudget. Wettrennen auf der Landstraße, Burnouts an der Ampel? Natürlich nicht, die Aura eines Gran Tourismo verführt zum Cruisen statt zum Rasen – schließlich hat man kein Formel 1 Rennpferd aus dem italienischen Gestüt gekauft.<br />
Anstelle mit dem Heck zu wedeln wird schon der Verlust des Kennzeichens – weil die Karre so verdammt tief liegt &#8211; an einem zu hohen Bordstein als großes Abenteuer ausgelobt. Spätestens in diesem Augenblick hatte ich genug von den Bekenntnissen des namenlosen Pferdeliebhabers. Ich überlegte kurz, ob ich der Redaktion des Magazins für die Selbstbeweihung dieses merkwürdigen Benzinkopfes ein paar Räucherstäbchen fürs Handschuhfach und eine Guy Fakes-Maske schicke, damit der Gute seinen Seelenfrieden fände und in seinem Edelsportwagen standesgemäß gekleidet wäre.</p>
<p><strong>Glücklicherweise</strong> gibt es aber auch andere Exemplare dieser Spezies: Vor zwei Jahren besuchte ich die Classic Days in Dyck. Eine bizarre Person warte im Hotel gemeinsam mit mir am Aufzug. Schüttere blonde Haare, ausgelatschte Turnschuhe und ein Leopardenmantel aus Plüsch zierten die geklonte Version von Bernie Ecclestone. Eine Zigarettenlänge darauf, donnert der außergewöhnliche Typ hinter dem Steuer seines millionenschweren Bentley Kompressor- Vorkriegsrennwagen aus Cricklewood an meinem Shuttlebus vorbei. Kaum auf dem Festival angekommen, habe ich ihn auf dem sandigen Erdboden liegen sehen. Mit einem Bowler auf dem Kopf, fummelte er mit seinen Händen unter dem Bentley am ölverschmierten Getriebe herum &#8211; das Schaltgestänge war ein wenig <em>tricky</em>.<br />
Allmächtiger, es scheint, als wäre meine Welt doch noch in intakt…</p>
<p>Ach so, ich bin Ihnen etwas schuldig – die Erklärung, warum nach über drei Jahrzehnten noch immer 102 Oktan an Leidenschaft für außergewöhnliche Automobile durch meine Adern fließt. Nur wenige Tage nach meinem denkwürdigen Erlebnis im Ferrari 612 pilotierte ich den Alvis auf einer Probefahrt über die brandenburgischen Landstraßen. Der Himmel öffnete seine Schleusen und die Scheibenwischer des edlen Briten ergaben sich umgehend widerstandslos der herabstürzenden nassen Pracht. Mit Schweißperlen auf der Stirn wuchte ich das schwere Ungetüm bei Höchstdrehzahl durch die Kurven über den regengetränkten Asphalt, die Bremse in Alarmbereitschaft, um dem noblen Gefährt ein Rendezvous mit dem Straßengraben zu verwehren. Aber die reparierten Vergaser mussten unbedingt auf Herz und Nieren geprüft werden.<br />
Heinrich, der gemütliche Ausfahrten in englischen Luxuslimousinen schätzt, torkelte nach der Probefahrt fiepend auf seine Werkstattdecke. Und strafte mich für den Rest des Tages mit beleidigten Blicken. Meine Frau hingegen fragte mich beim Abendessen beiläufig: » Schaatz, war heute etwas Außergewöhnliches in der Werkstatt? Du hast  wieder diesen besonderen Glanz in deinen Augen «.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2017/04/benzinkopfe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Komm mit ins Abenteuerland</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2015/04/komm-mit-ins-abenteuerland/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2015/04/komm-mit-ins-abenteuerland/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2015 21:57:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=3454</guid>
		<description><![CDATA[Wie gestalten Sie als anglophiler Autonarr eigentlich Ihren Sonntagnachmittag? Die Sammlung britischer Automobilkultur ist auf Hochglanz poliert, die Devotionalien in der Vitrine ebenfalls entstaubt. Und der englische Rasen im Garten vor der Garage ist sowieso bereits penibel beschnitten. Bis zum Tee um Fünf bleibt aber noch Zeit. Besuchen Sie doch einschlägige Auktionshäuser im Internet. Stöbern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Wie gestalten Sie </strong>als anglophiler Autonarr eigentlich Ihren Sonntagnachmittag? Die Sammlung britischer Automobilkultur ist auf Hochglanz poliert, die Devotionalien in der Vitrine ebenfalls entstaubt. Und der englische Rasen im Garten vor der Garage ist sowieso bereits penibel beschnitten. Bis zum Tee um Fünf bleibt aber noch Zeit.</p>
<div id="attachment_3458" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_6" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2014/01/Rover-P6-KlassikAuto-Berlin.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-3458" title="Rover-P6-KlassikAuto-Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2014/01/Rover-P6-KlassikAuto-Berlin-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Schaut doch gut aus, ooder ?</p>
</div>
<p>Besuchen Sie doch einschlägige Auktionshäuser im Internet. Stöbern Sie ein wenig durch die Angebote, vielleicht findet sich ja ein Schnäppchen, das ihren Fuhrpark ergänzt. Das ein oder andere gute Stück, dass Sie schon immer bewunderten, nie aber zwingend besitzen mussten, ist sicherlich schnell aufgespürt. Die Verlockung ist groß, kribbelig huschen ihre Finger über die Tastatur, das Gebot steht. Unerfreulicherweise bietet an diesem Nachmittag niemand mehr für Ihr auserkorenes Objekt. 3-2-1&#8230;! Herzlichen Glückwunsch, Sie haben sich soeben als Spaßbieter entlarvt.</p>
<p>Etwas überraschend ersteigert ein guter Freund an einem reizlosen Sonntagnachmittag auf der englischen Plattform des Auktionshauses Ebay einen Rover P6 2200 SC. Er beschließt die Verantwortung für seinen impulsiven Akt zu übernehmen, denn die Verkaufsbeschreibung liest sich durchaus gut . Der Spontankauf aus den Werkshallen in Sollihull soll nach Berlin  geschafft werden. Als ich gemeinsam mit ihm an einen Samstagmorgen die  Reise in die britischen West Midlands antrat, erahnte ich nicht, welche Abenteuer mir an diesem Wochenende bevorstehen sollten.</p>
<p><span id="more-3454"></span></p>
<p><strong><em>Water Orton</em></strong>, gleicher Tag, späte Mittagszeit. In diesem beschaulichen Örtchen in <em>Warwickshire </em>verlangt das vorausgegangene Ereignis eine spontane Änderung der präzise geplanten Einkaufstour. Unerwartet stellt sich die Frage: Bus oder Bahn? Was aber war geschehen?</p>
<p>Martin, freundlicher Verkäufer des Rovers, holte uns in Birmingham vom Bahnhof ab. Mündlich flott berichtet er auf dem Weg nach <em>Water Orton </em>von seinen Oldtimerprojekten und lobt den P6 2200 SC in höchsten Tönen. 13 Jahre war der Rover in Besitz des vorherigen Eigentümers, die letzte Wartung und einen Ölwechsel habe er noch durchgeführt, das Auto ist ungeschweißt! Leider erwecken mit Klebeband geflickte Kühlwasserschläuche, eine rasselnde Steuerkette und spärlicher Öldruck wenig Vertrauen für eine sichere Rückreise ins heimische Berlin. Rings um die Karosserie bahnen sich  braune Flecken ihren Weg ans Tageslicht. Plötzlich gewinnt die verkaufsfördernde Aussage »Ungeschweißt« eine gänzlich neue Bedeutung. An diesem Tag verbleibt das avantgardistische Gefährt der sechziger Jahre aus <em>Sollihull</em> im idyllischen <em>Water Orton</em>. Martin ist das ziemlich egal: »Kein Problem. Wenn ihr dieses hervorragende Auto nicht haben wollt! «</p>
<div id="attachment_4513" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_7" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Water-Orton-KlassikAuto-Ber.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-4513" title="KlassikAuto-Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Water-Orton-KlassikAuto-Ber-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Eine Busfahrt, die ist lustig...</p>
</div>
<p>Es qualmte und stank aus dem Auspuff eines betagten Omnibusses der hiesigen Verkehrsbetriebe, der uns schließlich nach Birmingham zurückbrachte. Von dort ging es mit der Bahn zum nächsten Reiseziel: unserem Nachtquartier in Bristol.</p>
<p><strong>Nun</strong>, nachdem wir über einen nicht unbeträchtlichen Erfahrungsschatz in automobilloser Fortbewegung verfügten, sollte uns in Bristol abermals ein Omnibus dienen, vom Bahnhof <em>Park Way</em> unsere Logis im kleinen Vorort <em>Warmley</em> der Metropole am Fluss <em>Avon</em> zu erreichen. Vom Pech verfolgt, stiegen wir diesmal einige Stationen zu früh aus. Verirrt, und ebenso verwirrt, versprach uns Gestrandeten schließlich nur noch ein Taxi die Rettung. Wenn Sie als verwöhnter Großstädter vertraut sind, sich die benötigte Droschke eben schnell am Straßenrand herbeizurufen, werden sie in <em>Warmley</em> allerdings enttäuscht.  Und vermutlich befinden sich die berühmten roten Telefonhäuschen alle in den Requisiten der Filmindustrie, Museen oder privaten Sammlungen. Grund genug, um in einem zünftigen Pub nach einem Taxi zu fragen, an der Feierabendkultur des Engländers teilzuhaben und die Reisestrapazen mit einem hochprozentigen Pint herunterzuspülen. Seltsam, welche ungewöhnlichen Sportarten über eine Großbildleinwand in der urigen Lokalität flimmerten. Aber wir haben es schließlich doch geschafft &#8211; der örtliche Chauffeurdienst setzte uns in den frühen Abendstunden vor dem Eingang unseres charmanten, typisch britischen Nachtquartiers ab. Rechtzeitig genug, um überraschend von einem unserer Herbergsväter auf eine Geburtstagsparty eingeladen zu werden. Ein anstrengender Reisetag endete inmitten tanzwütiger Ladies, trinkfester Gentlemen mit einem schmackhaften Spanferkel, das über offenem Feuer gemütlich seine Runden dreht.</p>
<p><strong>Haben Sie ihr Frühstück </strong>schon einmal zwischen anglophilen Asphaltschätzen genossen? Nein? Ich schon, denn der folgende Morgen offenbarte in den hinterhöfischen Garagen unserer Nachtherberge so manch britisches Altmetall. Und jeder der rollenden Schätze stand darüber auch zum Verkauf. Plötzlich keimte die Hoffnung, die bevorstehende Heimreise wie geplant in einem Oldtimer anzutreten. Doch zuvor lassen sie mich Ihnen erklären&#8230;</p>
<p>Der Wohltäter unserer nächtlichen Ruhestätte – namentlich Bob – erwirbt hin und wieder gerne das ein oder andere gute Stück automobiler Geschichte. Ob für die Hochzeit seiner Tochter oder einfach nur als Schnäppchen, ein guter Grund findet sich immer. Und während er hauptberuflich auf der Suche nach fossilen Brennstoffen irgendwo die Weltkugel anbohrt, muss in der Heimat sein guter Freund Steve derweil das eingekaufte Garagengold wieder an den Mann bringen. Morgendlicher Instant Kaffee, Sojawurst und gegrillte Tomaten mit Speck entfalteten ungewöhnliche Gaumenfreuden zwischen <em>Austin 7</em>, <em>Rolls Royce Silver Shadow </em>und einem nie zuvor gesehenen <em>Sunbeam MK III </em>- leider erwiesen sich die Gefährte aber als unpassende Reisemobile. Schade. Doch Bobs Fuhrpark verteilt sich über ganz <em>Warmley</em>. Ein wenig später befanden wir uns mit seinem besten Freund auf Erkundungstour durch den kleinen Ort. Selbstverständlich wurden wir fündig! Unter dem heftigen Knarzen und Quietschen der rostigen Stahltür einer kleinen Blechgarage erblickt ein besonderes Gefährt das Tageslicht: ein 1964er <em>Wolseley Hornet MK II</em>.</p>
<p><a class="highslide img_8" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Wolsely1.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="aligncenter size-full wp-image-4642" title="Wolseley Hornet - KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Wolsely1.jpg" alt="" width="600" height="450" /></a></p>
<p><a class="highslide img_9" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Wolseley2.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="alignleft size-medium wp-image-4651" title="Wolseley Hornet - KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Wolseley2-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><a class="highslide img_10" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Wolseley3.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="alignright size-medium wp-image-4652" title="Wolseley Hornet - KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2015/04/Wolseley3-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p><strong>Vom Gedanken </strong>ihre geliebte Insel verlassen zu müssen, schien die kleine <em>Hornisse</em> zunächst nicht amüsiert. Der Kofferdeckel sperrte sich gegen seine Öffnung, nach einer kurzen Probefahrt bildete sich eine bedenklich große Wasserlache unter dem Motor. Rasch war eine lose Schlauchschelle als Schuldige der Inkontinenz ausgemacht. Ein kurzer Handgriff minimierte denWasserverlust immerhin auf wenige Tropfen. Wortlos &#8211; und ein wenig besorgt &#8211; schauten sich zwei heimwehvolle Berliner in die Augen. Sollte die automobile Rückreise an ein paar Wassertropfen scheitern?<br />
Sie tat es nicht. Zumal die verkaufsfördernde Zugabe einer neuen Schlauchschelle, eines Schraubendrehers und eines großen Kanister, gefüllt mit ausreichend Reservekühlflüssigkeit, nicht nur freundlich erschien, sie wirkte obendrein äußerst beruhigend. Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns auf den Weg.</p>
<p>Fünfzig Meilen hinter <em>Warmley</em> dampfte es aus dem Motorraum, wie aus einem Becher frisch gebrühten Kaffees des Starbucks Coffee Shop, vor dem die kleine Kiste liegenblieb. Weitere 10 Meilen endete die Heimfahrt auf der  Raststätte <em>Reading</em> des Motorways M4. Unaufhaltsam sucht sich das kühlende Nass seinen Weg auf den Straßenasphalt – wie es in den Kühler eingefüllt wird, schifft es unten wieder raus. Etwas ratlos begann ein zweiköpfiger Krisenstab fieberhaft nach einer Lösung zu suchen.</p>
<p><strong>Gestern, heute, morgen </strong>- so könnte die Überschrift über den Fortgang der Geschehnisse auf einem Parkplatz einer englischen Autobahn treffend lauten. Während das kleine vierrädrige Überbleibsel aus den späten Sechzigern seinen Dienst verweigerte, stellte derweil ein praktischer Gegenstand des 21.Jahrhundert seine Nützlichkeit unter Beweis. Die flinken Finger eines Havaristen wählen auf dem neuesten Smartphone die Nummer der Notrufzentrale des Allgemeinen Deutschen Automobil Clubs. Und schon dreißig Minuten, nachdem in einem Hamburger Call Center eine freundliche Telefonstimme  die Koordinaten zweier gestrandeter Automobilisten aufgenommen hatte, kam ein Servicefahrzeug des britischen AAA vor dem kleinen Hornet zum Stehen. Freundlich stellte sich ein Mechaniker mittleren Alters vor, fragte nach dem Grund unserer Panne und bemerkte beiläufig: »Machen Sie sich keine Sorgen, ich habe auf diese Autos gelernt! «  Soviel Kompetenz bereitete Zuversicht. Aber haben nicht eigentlich alle englischen Automechaniker ihre Ausbildung an einem Mini gemeistert?</p>
<p>Trotz aller Fachkompetenz, die Schadensdiagnose erwies sich ernüchternd. Ein Riss vom Kühlwasserschlauch zwischen Wasserpumpe und Zylinderkopf begründete, warum das Kühlsystem schließlich seine Schleusen vollständig geöffnet hatte. Obendrein lässt sich das gute Stück <em>eigentlich</em> nur auswechseln, wenn dafür „<em>das halbe Auto&#8221; zer</em>legt wird. Es schien, als müssten wir einen weiterenTag in Reading und einer Autowerkstatt verbringen. Doch an diesem Nachmittag delegierte die englische Königin ihren ausländischen Gästen nicht irgendeinen Mechaniker, sie entsendete <em>den</em> Mechaniker. Unter heftigen Rückenschmerzen, mit blutigen Händen, machte der gute Mann das Unmögliche möglich. Der rettende Engel fingerte in einer dreiviertel Stunde einen neuen Schlauch an seinen bestimmten Platz und der Motor der Hornisse schnurrte wieder tadellos und tropfenfrei. Während die gebuchte Fähre schon lange über den Ärmelkanal Richtung Antwerpen schipperte, fädelten wir uns ins den frühen Abendstunden endlich wieder auf die Autobahn ein. Die Dämmerung brach herein, es wurde Nacht über England.</p>
<p><strong>In der Finsternis </strong>hat der Teufel gerne seine Hand im Spiel. Kaum dem einen Unglück entronnen, suchte uns das nächste Missgeschick heim: Wir haben uns verfranzt.  Fern ab vom Motorway Richtung <em>Dover</em>, kurvten wir in der Folge durch die dunklen Wälder von <em>Kent</em>. Besser hätte auch Edgar Wallace in dieser Nacht nicht Regie führen können. Während die Scheinwerfer der Hornisse den Weg durch die von hohen Hecken gesäumten Landwege erleuchteten, erspähten meine Augen in einem kleinen Dorf ein geheimnisvolles Licht. Aber dazu später mehr. Weit nach Mitternacht verkündete das Geschrei der Möven über <em>Folkstone</em>, das wir dem Festland endlich wieder nahe waren.</p>
<p><strong>Dover, Calais, Brüssel, Berlin </strong>– der kleine Wolseley hat uns am Ende sorgenfrei nach Hause gebracht. Wie aber beendet man die Geschichte eines Wochenendes, das voller Überraschungen und Abenteuer steckte. Es bieten sich die üblichen Floskeln an: »<em>Ende gut, alles Gut</em>«. Oder: »<em>Es kommt immer anders, als man denkt</em>«. Vielleicht wäre die Randnotiz geeignet, das der Sesam der Hornisse zuletzt doch noch sein Geheimnis offenbarte. Im Kofferraum lagerten Unmengen von Kartons, vollgestopft mit Ersatzteilen. Mir hingegen gefällt folgendes&#8230;<br />
Wenn Sie, lieber Oldtimerfreund, ihrer Angebeteten einen Antrag machen möchten, aber noch immer keinen geeigneten Ort dafür gefunden haben, dann empfehle ich Ihnen <em>Goudhurst</em> in West Kent/ Großbritannien. Besuchen Sie das kleine Nest an der A262, in dem sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Während die englischen Narzissen in den Abendstunden einen unbeschreiblichen Duft versprühen, funkeln die edlen Rolls Royce- und Bentley Karossen im backsteinroten Verkaufsraum von Robert und Carl Sargeants bei schummriger, Kerzenlicht gleicher Beleuchtung ganz besonders verführerisch. Es ist ein sehr romantisches Plätzchen.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2015/04/komm-mit-ins-abenteuerland/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Farbe Blau</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2014/12/die-farbe-blau/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2014/12/die-farbe-blau/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2014 17:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=4219</guid>
		<description><![CDATA[Blu Adriatico, Mitternachtsblau, Scottish Blue. Klangvolle Namen. Wenn die Automobilhersteller ihre in der Grundfarbe lackierten Modelle benamsen, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Warum eigentlich? Blau ist doch nur blau! Niemals sollten Sie den letzten Satz im Beisein holder Weiblichkeit in den Mund nehmen. Es könnte in einem leidenschaftlichen Meinungsaustausch über Farbenlehre und Gestaltungsmöglichkeiten münden. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Blu Adriatico</strong>, Mitternachtsblau, Scottish Blue. Klangvolle Namen. Wenn die Automobilhersteller ihre in der Grundfarbe lackierten Modelle benamsen, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Warum eigentlich? Blau ist doch nur blau!</p>
<div id="attachment_4228" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_11" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2014/11/Farbmusterkarten.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-4228" title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2014/11/Farbmusterkarten-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Wer die Wahl hat, hat die Qual...</p>
</div>
<p>Niemals sollten Sie den letzten Satz im Beisein holder Weiblichkeit in den Mund nehmen. Es könnte in einem leidenschaftlichen Meinungsaustausch über Farbenlehre und Gestaltungsmöglichkeiten münden. Schon gar nicht dürfen Sie die Aussage treffen, wenn die schöne Zier beabsichtigt, ihrem fahrbaren Untersatz einen neuen Look zu verpassen. Die Unterhaltung endet in einem Monolog über der Damenwelt liebstes Thema: <em>Schuhe</em>!<br />
Es ist so sicher, wie die Tagesschau alltäglich pünktlich um Acht auf Sendung geht. Verständlich, denn so unerschöpflich wie es Farbtonmusterkarten in einem Autolackierfachgeschäft gibt, ermöglicht die fußkleidende Materie grenzenlose Vergleichsmöglichkeiten.<br />
Schließlich ist ein Schuh mehr als nur ein Schuh und ein Absatz nicht nur ein Absatz.</p>
<p>Mein persönlich blaues Wunder erlebte ich am letzen Osterfest. Was aber war geschehen?</p>
<p><span id="more-4219"></span></p>
<p><strong>Wie ein abgelatschter </strong>Wanderschuh präsentierte sich die betagte Vespa einer guten Freundin: verbeult, zerkratzt und provisorisch ausgebessert. Abhilfe tat dringend Not. Selbstverständlich nahm ich mich der Angelegenheit an. Und traf eine folgenschwere Entscheidung.<br />
Am Ende der Renovierung sollte die Vespa als ein einziges Schmuckstück seiner Art auf die Straße rollen &#8211; ein Lackschuh für die flotte Pilotin!</p>
<p>Vier Monate aktiver Meditation in der winterlichen Kälte meiner Garage später war es endlich soweit. Die Fingerkuppen vom Trockenschleifen ihrer Abdrücke beraubt, die Nägel vom Nassschleifen aufgeweicht und aufgerollt, übergab ich die lackierfertige „Wespe“ dem Fachbetrieb meines Vertrauens. Im Lieferumfang befand sich zusätzlich ein einflussreiches Utensil: Eine Dose mit zwei Litern Basislack im begehrten Farbton.</p>
<p><strong>Klar doch,</strong> das die Pilotin des kleinen Stadtflitzers nicht irgendeine Farbvariante auserwählt hatte. <em>Bristol Dark Blue </em>aus den 1960ziger Jahren sollte es sein &#8211; eine besonders dunkelblaue Kolorierung, die bei Sonnenschein effektvoll violett schimmert. Hätte es mich nachdenklich stimmen müssen, als mich der Meister der Farbspritzpistole mit den Worten verabschiedete: »In welchem Verhältnis muss ich denn den Lack verdünnen?«</p>
<p>Aber wohlgemerkt: Ein wenig Vertrauen schadet nicht. Und so erreichte mich kurz vor dem Osterfest die freudige Nachricht, das die Vespa fertig lackiert sei. Glanzvoll präsentierte sich der Rollerrahmen in einer dunklen Ecke der Lagerhalle der Autolackiererei, sorgsam verpackt warteten die vielen Nebenteile der <em>Cinquanta</em> in einem großen Pappkarton am Tag der Abholung auf ihren Abtransport . Beschwingt machte ich mich an einem sonnigen Osterfeiertag ans Auspacken. Leider währte die Freude nur kurz!</p>
<p>Augenscheinlich hatte der gewünschte Violettschimmer nicht den Weg durch das Farbsieb in die Spritzpistole gefunden und glänzte im strahlenden Sonnenschein durch Abwesenheit.<br />
Welch schöne Bescherung. Man hatte mir ein blaues Kuckucksei ins Osternest gelegt.</p>
<p><strong>Ein Schelm, der Böses denkt.</strong> Trotzdem bedurfte der Verlust des dekorativen Effektes im begehrten Farbton der Aufklärung. »Was hast du mit meiner Farbe gemacht? «, raunte ich vorsichtig zum Wochenbeginn in den Telefonhörer. Es herrschte anfängliches Schweigen am anderen Ende des Glasfaserkabels. In der Folge sprudelte es um so mehr aus dem Munde der Autorität über Basislack, Härter und Verdünner heraus. Farbe zu dick, Betriebsablaufstörung, Katastrophe, neue Farbe gekauft, unter UV-Leuchte geprüft, drangen als Schlagworte der Erklärung in mein Ohr. So gleichgültig wie ein Fahrradfahrer auf dem Kurfürstendamm über eine verschuldete Delle in einem Jaguar E-Type hinweg sieht, endete die Verteidigung mit den Worten: »Fällt doch gar nicht auf. Blau ist doch blau!«<br />
Plötzlich kam mir mein Einspruch so bedeutungslos vor. Etwas aufgewühlt beendete ich das Gespräch. Und begann das Desaster zu analysieren&#8230;</p>
<p>Unübersehbar schien der Lackiervirtuose mit einem Problem konfrontiert. Ganz ohne Zweifel gewann in diesem Fall das emotionale System der menschlichen Steuerzentrale die Oberhand über das rationale System, Vernunft und Verstand wurden außer Kraft gesetzt. Entgegen aller kommunikativen Regeln zur Lösung des Ungemach, gönnte sich der Meister der Farben die Freiheit der individuellen Entscheidung. Ohne Rücksprache wird die Wespe in ein Bad voll Farbe aus der Jaguar-Farbpalette getaucht.<br />
Lag der Lapsus vielleicht am jahrelangen Konsum lösemittelhaltiger Chemikalien, den diese Handwerkszunft tagein, tagaus inhaliert?</p>
<p>Ein Selbstversuch hätte Gewissheit bringen können, stapelt sich doch die ein oder andere Dose Autolack und Acrylverdünner in meiner Garage. Soviel Forschergeist wollte ich meiner Nase aber lieber nicht zumuten. Zudem benötigte ich einen klaren Kopf. Schließlich musste ich die schlechte Nachricht noch der erwartungsvollen Vespa-Besitzerin überbringen. Kein Whats App, keine Videokonferenz, selbstredend übermittelte ich tags darauf die schlechte Nachricht persönlich. In meinem Gepäck befand sich eine  Küchentisch füllende Rollerverkleidung in strahlendem <em>Jaguar Dark Blue</em>. Sozusagen ein Probeschuh. Das kam daher, weil die schöne Damenwelt in Schuhgeschäften gerne Mal ein paar Kilometer »Probelaufen« will, bevor sie sich meistens nicht entscheidet. Diesmal war eine Entscheidung aber unabdingbar. Nicht nur, weil die betrübte Pilotin Anspruch auf eine Nachbesserung und Neulackierung besaß, auch das oft geheimnisvolle Styling-Gelüste holder Weiblichkeit musste überdies samt und sonders glücklich gestimmt werden. Letzten Endes gilt, was Sie und Ich schon immer wussten: <em>BLAU IST EBEN DOCH NICHT NUR BLAU</em>.</p>
<p><strong>Sie hat sich entschieden!</strong> Und streckte den Daumen für das »<em>faule«</em> Dunkelblau nach oben . Ob es am bevorstehenden Sommer, der feinen azurfarbenen Tönung oder einfach nur an guter Freundschaft lag, ich habe es nie erfahren.<br />
Wozu auch. Denn ob Dark Blue aus dem Hause Bristol oder Jaguar – ein betörender »Lackschuh« wurde die Wespe trotzdem.<br />
Ich indessen überlege, den neuen Farbton dem renommierten Pantone Color Institute™ zur Wahl der Farbe des Jahres 2015 vorzuschlagen. Sein belebendes Element in den stolzen Augen der <a title="Sophias neues Kleid" href="http://www.klassikauto-berlin.de/2014/05/sophias-neues-kleid/">Vespa</a>-Pilotin, meines Herz-,  Kreislauf-, aber vor allem Nervensystems ist unbedingt eine angemessene Honorierung wert.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2014/12/die-farbe-blau/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Im Gummiboot nach Rimini</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/09/im-gummiboot-nach-rimini/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/09/im-gummiboot-nach-rimini/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 14 Sep 2013 22:43:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=2965</guid>
		<description><![CDATA[Fritz B. Busch hat es getan. Im knallroten offenen MG B Sportwagen kurvte er die Küstenstraße der französischen und italienischen Riviera entlang. Voll des Lobes für den kernigen Briten berichtete er in seiner legendären Kolumne. Grund genug für einen guten Freund von KlassikAuto, es dem berühmten Motorjournalisten gleich zu tun. Er reiste mit seinem MG – [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Fritz B. Busch hat es getan.</strong> Im knallroten offenen MG B Sportwagen kurvte er die Küstenstraße der französischen und italienischen Riviera entlang. Voll des Lobes für den kernigen Briten berichtete er in seiner legendären Kolumne. Grund genug für einen guten Freund von <strong>KlassikAuto</strong>, es dem berühmten Motorjournalisten gleich zu tun. Er reiste mit seinem MG – einem 78er Gummibootmodell – nach Rimini an die italienische Adria.</p>
<div id="attachment_3001" class="wp-caption alignright" style="width: 225px">
	<a class="highslide img_12" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/08/LH-Overdrive1-KlassikAuto-B.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-3001" title="LH-Overdrive1-KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/08/LH-Overdrive1-KlassikAuto-B-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Stillgelegte Werkhalle</p>
</div>
<p>1252 Kilometer, etliche Bergpässe und ab Modena einen Schlenker links, schwängert der Geruch von verbrannten Motoröl die frische salzige Meeresluft. Das schwarze Gold - nach scharfer Fahrt so dünnflüssig wie Balsamico-Essig aus dem Supermarkt - tropft aus den Motordichtungen auf den grauen Asphalt. In den überhitzten Vergasern wetteifern die Dampfblasen  mit denen im Heizkessel einer Espressomaschine eines kleinen italienischen Strandcafes. Aufruhr herrscht im Wasserkühler, es brodelt im System. Denn der betagte Graugussmotor des britischen Roadsters bewerkstelligt die weite Anreise ohne den Motor schonenden Schnellgang. In der Betriebshalle des Laycock  LH- Type Overdrive herrscht Müßiggang. Die Ölpumpe pumpt nicht mehr, Sonnenrad und Planetenräder stehen schon lange still. Seit über 26 Jahren. Warum? Das lesen Sie hier&#8230;</p>
<p><span id="more-2965"></span></p>
<p><strong>Begleiten Sie mich </strong>zunächst auf eine Reise in die Vergangenheit. Der gute Freund,<br />
jung und wild, erwirbt 1985 nach seinem Studium den herrlich unvernünftigen, leider aber schon overdrivekranken MG. Auf seinen Lusttouren mit dem schwarzen »Gummiboot« lernt der anglophile Autonarr seine zukünftige Hauszierde kennen. Im vierten Gang des Standardgetriebes, mit ohrenbetäubenden Motorgetöse und einem üppigen Vorrat an Ohrstöpseln im Handschuhfach bereisen die beiden viele schöne Länder mit dem schwarzen Roadster.<br />
Zur gleichen Zeit hämmerte, flexte und schraubte man in der alten Berliner City- West in einer renommierten Autowerkstatt an den automobilen Abgesandten der englischen Königin. Chromglänzende Emilys, geflügelte Bentleys und elitäre Geländewagen buhlten auf zehn aneinander gereihten Hebebühnen um die Gunst einer stattlichen Scharr ölverschmierter Mechaniker. Ganz vorn stand ein weiß- blauer Big Healey 3000,  eine vom Lack befreite E-Type Rohkarosse leuchtete silbrig glänzend am Ende der Halle. Ich war geblendet bei meiner ersten Begegnung mit dem Paradies. Demütig bestellte ich im Ersatzteillager die benötigen Bremsbacken für meinen  Mini. Warum ich Ihnen dies erzähle? Viele Jahre später erlernt ein junger Mann hier das breite Wissen rund um das antike britische Altmetall. Seine späteren Annäherungsversuche mit dem schwarzen Roadster waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Nach wiederholten Begegnungen mit dem schaltfaulen Gefährt ließ sich der Overdrive-Schongang noch immer nicht zuschalten.</p>
<p>Zugegeben, die Reparatur eines Overdrivegetriebes ist anspruchsvoll. Eine Ausbildung zum Raumfahrttechniker wird für die Instandsetzung allerdings nicht benötigt. In einer Ausgabe des Werkstatthandbuches vom Leyland Cars Service von 1975 für den MG B las ich folgendes: »Dieses Handbuch soll dem gelernten Kfz-Mechaniker helfen, sämtliche Reparatur- und Austauscharbeiten in <em>kürzester</em> Zeit vorzunehmen.« Vermutlich waren alle Exemplare dieses Buches die letzten 26 Jahre auf verstaubten Schobern, in von Holzwürmern zerfressenen Schubladen oder dunklen Kellern versteckt. Antike Bücher steigen im Wert, wenn man sie nur lange genug lichtgeschützt verwahrt. Zwei elektrische Schalter, ein Öldruck steuerndes Magnetventil, ein Ölsieb und eine Ölpumpe bilden die Steuerung des Overdrivegetriebes. Fünf einfach überprüfbare Gründe, warum sich das Laycock Aggregat vielleicht wie ein grillenhafter Kerl verhalten hatte, dem am Tresen seiner Stammkneipe vom Thekennachbarn das Bier weggetrunken wurde. »So schwer kann die Fehlersuche doch nicht sein!«, dachte ich mir. Voller Zuversicht stieg ich an einem Dienstagnachmittag in meine Arbeitsgrube hinab.</p>
<p><strong><em>ACHTUNG</em>,</strong> <em>hier musst du noch einmal nachschauen</em>! Knallgelb leuchteten die Missetaten der Vergangenheit schon aus der Ferne. Das Regiment für die Stromversorgung des Magnetventils übernimmt ein Getriebeschalter. Er deligiert die benötigten Volts nur im dritten und im vierten Gang zur magnetischen Ölschleuse. Kunstvoll hatte man die Strom steuernde Instanz mit einer strahlenden Umgehungsleitung in die Werkpause geschickt. Unvorstellbar, mit welchem Radau der Overdrive in seine Einzelteile geborsten wäre, hätte das gute Stück seine Arbeitsscheu bei eingelegtem Rückwärtsgang abgelegt. Nichtsdestoweniger glänzte auch die Ölfluss regelnde Kugel im Magnetventil durch Abwesenheit. Endete vielleicht der Flirt mit einem ölgetränkten Werkstattboden in einer langfristigen Beziehung? Oder diente die Leere im Ventil etwa als Sicherheitsvorkehrung zur Wiedergutmachung der voraus gegangenen Sünde? <em>EGAL:</em> Keine Kugel, kein Öldruck!  Spätestens an diesem Punkt wurde mir klar, warum sich mein Vorgänger für die signalträchtige Farbgebung der Elektrik entschieden hatte. Immerhin erwies sich das Ölsieb als sauber und die Ölpumpe verrichtete ihren Dienst. Alle Fehler beseitigt, alle Funktionen geprüft, wurde es Zeit für einen ersten Test. Nun ja, nicht jedes Dornrösschen lässt sich mit dem ersten Kuss erwecken. Frustriert steckte ich meinen Kopf am Abend daheim noch einmal in das Reparaturhandbuch.</p>
<div id="attachment_3019" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_13" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/08/LH-Overdrive2-KlassikAuto-B.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-3019" title="LH-Overdrive-KlassikAutoBerlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/08/LH-Overdrive2-KlassikAuto-B-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">»Gegenstand« für eine gründliche Untersuchung</p>
</div>
<p>»Ich muss den Öldruck überprüfen«, analysierte ich meine vorangegangene Fehlersuche. In der Betriebsstätte des LH-Type Overdrive herrschen knapp 30 bar Betriebsdruck. Ein geeignetes Manometer aber schlummerte seit Jahren ungenutzt in meinem Werkzeugwagen. Der freundliche Hydraulikservice an der Ecke half bei der Synchronisation metrischer und zöllescher Gewindeanschlüsse zwischen Messinstrument und Getriebe. Allerdings führten einhundert Euro Kosten für die Prüfleitung zu einem erheblichen Loch im heimischen Haushaltsbudget. Wenn die Manometernadel wenigstens nur einmal gezuckt hätte!  Aber in den Ölkanälen herrschte  Drucklosigkeit. Wie nur sollte ich das Haushaltsdefizit meiner häuslichen Regierung erklären? Zumal meine Erfolgslosigkeit auch keine Entlohnung versprach. Die Aussicht auf einen belastenden Untersuchungsausschuss sowie eine hitzig geführte Haushaltsdebatte stimmte mich nicht gerade glücklich. Die Sorgenfalten auf meiner Stirn gruben sich wieder etwas tiefer ein.</p>
<div id="attachment_3043" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_14" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/09/LH-Overdrive3-KlassikAuto-B.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-3043" title="LH-Overdrive-KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/09/LH-Overdrive3-KlassikAuto-B-300x225.jpg" alt="... als Ursache für jahrelange Tatenlosigkeit" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Verklemmter Typ: Der Ölpumpenkolben erweist sich...</p>
</div>
<p><strong>Eitelkeit ist eine schlechte Zier.</strong> In meiner kleinen Werkstatt sowieso.  Schließlich nehmen meist nur kostspielige Altmetalle, antiquiertes Schrauberwerkzeug oder Heinrich Anstoß an meiner Person oder gar meinem Aussehen. Hätte ich also bei meiner Fehlersuche meine Brille vorschriftsmäßig auf der Nasenwurzel anstatt in Manier eines Oberlehrers auf der Nasenspitze platziert, wäre mir wohl schon aufgefallen, dass sich der Kolben der Ölpumpe beim Arbeitshub am Gehäuse des Planetengetriebes verklemmte. Aber ein paar Handgriffe und eine erprobte Ölpumpe behoben schließlich meinen Fauxpas. An der Hinterachse aufgebockt, stand das schwarze Exemplar der Morris Garage abermals für einen Probelauf bereit. Ich drehte den Zündschlüssel, startete den Motor und schaltete vorsichtig in den vierten Gang. »Rückt er ein oder rückt er nicht ein?«, war nun die Frage. Nervös legte ich den Overdriveschalter um. Klar doch, dass sich das Laycock- Aggregat nach einem vierteljahrhundert Betriebspause nicht ohne einen letzten Widerstand zur Wiederaufnahme seiner Pflicht bewegen lassen wollte – kernig brummte der Motor des MG ohne Drehzahlabfall weiter vor sich hin.  Sie müssten mich mal sehen, wenn mich keiner sieht. Auch ich verliere gelegentlich meine Haltung. Derb fluchend unterzog ich die Stromleitzentrale für das Schonganggetriebe einem Belastungstest. Mein Temperamentausbruch zeigte Wirkung. Plötzlich begann sich die Nadel vom Prüfmanometer mit einem zaghaften Zucken gegen die Druck dämpfende Flüssigkeit im Messinstrument zu wehren. Anfänglich mit einem Bar etwas zögerlich, meldete das Kontrollgerät schon bald eine gebührende Menge  Getriebeöl in den ausgetrockneten Pipelines des Laycock- Aggregates.  Lautstark verabschiedete sich das Planetengetriebe aus seinem Vorruhestand. Endlich wurde in der Betriebsstätte des LH-Types wieder Öl gepumpt, eingekuppelt und zwischen den Zahnrädern gemahlt.</p>
<p>»Ich habe ihm versprochen, dass der Overdrive irgendwann funktioniert«, plauderte der gute Freund von <strong>KlassikAuto</strong> am Tag, als er und seine bessere Hälfte das schwarze Gummiboot in meiner Werkstatt abholten. Ob die beiden wohl schon Reisepläne schmiedeten, als sie beschwingt vom Hof fuhren? Nun, wo das Handschuhfach von Ohrschutzstöpseln befreit und der altgediente Graugussmotor über eine reisetaugliche Drehzahlabsenkung verfügte. Ich weiß es nicht. Auf Sardinien jedoch soll es im Spätsommer sehr schön sein.<br />
Zufrieden und ebenso erleichtert schlurfte ich in meine Werkstatt. Schließlich hatte ich nicht nur erfolgreich meine Arbeit verrichtet, sondern auch ein heimisches Inquisitionsverfahren abgewendet. Allein ein Problem beschäftigte mich dennoch weiterhin: Wo nur sollte ich das gute alte Reparaturhandbuch vom MG in Zukunft aufbewahren? Aber ein geeignetes Plätzchen würde sich schon finden&#8230;</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/09/im-gummiboot-nach-rimini/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Daily Driver, Flank Drive und Triple Bogey</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/04/daily-driver-flank-drive-und-triple-bogey/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/04/daily-driver-flank-drive-und-triple-bogey/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Apr 2013 20:24:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=2438</guid>
		<description><![CDATA[Früher kaufte ich samstagnachmittags mit meiner Hauszierde ein. Zwischen kulinarischer Wochenendverpflegung, neuer Jeans und Besuch im Schuhgeschäft lud ein Straßencafe zum genüsslichen Pausieren ein. Heute shoppen wir. Ein Coffee to go hat den Platz der gemütlichen Pause eingenommen. Das praktisch transportable Heißgetränk im Pappbecher verführt – vor allem meine Frau – den Sale des ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Früher kaufte ich </strong>samstagnachmittags mit meiner Hauszierde ein. Zwischen kulinarischer Wochenendverpflegung, neuer Jeans und Besuch im Schuhgeschäft lud ein Straßencafe zum genüsslichen Pausieren ein.</p>
<div id="attachment_2493" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_15" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/04/KlassikAuto-Berlin.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-2493" title="KlassikAuto-Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/04/KlassikAuto-Berlin-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Lifestyle kontra Lebensart</p>
</div>
<p>Heute <em>shoppen</em> wir. Ein <em>Coffee to go </em>hat den Platz der gemütlichen Pause eingenommen. Das praktisch transportable Heißgetränk im Pappbecher verführt – vor allem meine Frau – den <em>Sale</em> des ein oder anderen Schuhladen ohne Unterbrechung mehr in der <em>Shopping Mall </em>anzusteuern. Aber nicht nur mein Feierabend ist vom modernen »<em>denglisch</em>« betroffen; die Verenglischung der deutschen Sprache hat auch vor meiner Werkstatt nicht Halt gemacht. Meine Schraubenschlüssel verfügen jetzt über <em>Flank Drive</em>, die freundlich telefonische Nachfrage beim Kunden nach einer Reparatur trägt nun die bedeutungsvolle Bezeichnung <em>After Sales Service</em>.</p>
<p><strong>Ich bin </strong>ein Liebhaber des anglophilen Garagengoldes. Trotzdem wünschte ich mir bei der Fülle englischer Fremdwörter eines Morgens in der <em>Headline</em> einer renommierten Boulevardzeitung zu lesen:  »Bundesregierung plant Sprachpolizei.«<br />
Perfekt wird das anglizistische Sprachchaos, wenn ein leitender Bankbangestellter mit englischer Nobelkarosse an die Tore meiner Werkstatt klopft.<br />
Aber lesen sie selbst&#8230;</p>
<p><span id="more-2438"></span></p>
<p><strong>Herr Schmidt </strong>-  Filialleiter einer Bank  in meiner Strasse  -  hat sich seinen Jugendtraum erfüllt: Ein edler Bentley S3 aus dem Jahr 1962 schmückt nun die Garage seines Bauernhofes aus der Jahrhundertwende. Ganz und gar nicht klassisch war sein Wunsch, den britischen <em>Luxusliner</em> mit einer modernen <em>Multimedia</em>-Anlage auszustatten. Zwar sei sein Bentley kein <em>Daily Driver</em>, dennoch wolle er als <em>Banker</em> auf seinen Fahrten ins <em>Office</em> auf einem großen <em>Display</em> von seinem bevorzugten Nachrichtensender stets aktuell mit <em>Breaking News</em>, <em>High and Low </em>sowie <em>Shareholder Value</em> und <em>Ebita</em> der im Dax notierten Börsenunternehmen informiert werden. Es folgte ein  kontroverses <em>Brainstorming</em>, das moderne Informationstechnik, wurzelhölzerne Patina und die Charta von Turin zum Gegenstand hatte. Mit geballter Faust im Blaumann, die durchaus mit dem druckvollen <em>Pressing</em> der vordersten Viererabwehrkette meines geliebten Fußballvereines konkurrieren konnte, gab ich mich schließlich geschlagen.  Zähneknirschend machte ich mich an die Arbeit. Vielleicht auch, weil ein Schnupperkurs auf dem Golfplatz als zusätzliche Belohnung lockte. Und ein wenig <em>Work-Life-Balance </em>tat mir tatsächlich gut.</p>
<p>Ein getuntes Edelholz-<em>Panel</em> darauf, lasen meine Augen in feinstes Messing graviert: »<em>Hole in One</em>, 21.06.2001, Rüdiger Schmidt«<br />
»Mit einem Schlag ins Loch!«, strunzte  mein Gastgeber, während er das Mahnmal seines sportlichen Triumphes auf dem Weg zum <em>Tee</em> passierte. Schmidt drosch den kleinen Ball mit ordentlichem Schwung in die Luft. »Na Pohle, auch mal versuchen? « lockte er schnippisch  und fuchtelte gefährlich mit einem <em>Driver</em> vor meiner Nase herum. Zwei <em>Ladies</em> und ein <em>Divot</em> beendeten an diesem Tag recht schnell meine Golfkarriere – fortan fungierte ich als <em>Caddy</em>.<br />
Nach diesem unrühmlichen Golferdebüt eilten wir zur Landezone von Schmidts Ball. Auf unserem Weg philosophierte der ambinionierte <em>Sportsman</em> derweil, er versuche das <em>Dog Leg </em>des <em>Fairway</em> mit einer riskanten <em>Tiger Line </em>zu meistern. An diesem Tag hatte das Glück Golfgott Rüdiger verlassen, denn das kleine Spielgerät hatte sich in einen Sandbunker eingegraben. Etwas mürrisch beendete er mit einem <em>Triple Bogey </em>das erste Loch. Einige <em>Fairways</em>, <em>Greens</em>, <em>Fades</em> und <em>Draws</em>, <em>Chips</em>, <em>Pittching Wedges</em>, <em>Lakeballs</em>, <em>Putts</em> und <em>Birdies</em> folgend, endete ein schöner Nachmittag in freier Natur am 19. Loch bei einem kühlen Blonden. Zugegeben, die vielen englischsprachigen Begriffe hatten mich aber schon ein wenig verwirrt.</p>
<p><strong>Die warme Nachmittagssonne </strong>lud auf dem Heimweg zum gemütlichen <em>Cruisen</em> ein. So steuerte ich meine <em>Auntie</em> am Lancia <em>Flagship- Store </em>vorbei über den Kurfürstendamm. Der <em>Showroom</em> ist seit dem Abgesang der traditionsreichen Automobilmarke verwaist. Nur Brigit Bardot räkelt sich noch auf einem großen <em>Poster</em> auf dem Kotflügel einer Flaminia und erinnert an die guten alten Zeiten. An die guten alten Zeiten? Vielleicht war der Rasen nicht grüner, der Himmel nicht blauer und der Schnee nicht weißer: Aber die deutsche Sprache war weniger von Anglizismen durchsetzt.<br />
Ich will die deutsche Sprache pflegen, auch hier auf dieser Webseite. Ich bin eben alte Schule.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/04/daily-driver-flank-drive-und-triple-bogey/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/02/uber-den-wolken-ist-die-freiheit-grenzenlos/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/02/uber-den-wolken-ist-die-freiheit-grenzenlos/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 Feb 2013 23:59:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=2249</guid>
		<description><![CDATA[Freitag ist ein schöner Tag für mich! Zwei schraubenschlüsselfreie Tage locken mit Ruhe und Gemütlichkeit. Der letzte Werktag der Woche ist perfekt, wenn am Sonntag eine Tour mit dem Oldie winkt. Oder es mir  in den letzten Minuten meiner Schaffenszeit noch gelingt, bei Ebay ein Ersatzteil zu ersteigern. Herz, was willst du mehr. Zugegeben, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Freitag ist ein schöner Tag für mich!</strong> Zwei schraubenschlüsselfreie Tage locken mit Ruhe und Gemütlichkeit. Der letzte Werktag der Woche ist perfekt, wenn am Sonntag eine Tour mit dem Oldie winkt. Oder es mir  in den letzten Minuten meiner Schaffenszeit noch gelingt, bei Ebay ein Ersatzteil zu ersteigern. Herz, was willst du mehr.</p>
<p>Zugegeben, der Abschluss einer Arbeitswoche verspricht nicht immer solch gute Aussichten.<br />
Aber die Geschichte begann vielversprechend an einem Freitag. Und das war so:</p>
<div id="attachment_2255" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_16" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/02/Relaisplatte.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-2255" title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/02/Relaisplatte-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Umschaltwerk: Es werde Licht...</p>
</div>
<p>Ein Angebot bei Ebay auf den italienischen Seiten des Auktionshauses weckte an diesem Morgen mehr als die übliche Tasse wohl duftenden, heißen  Kaffees meine Lebensgeister. Dort bot ein professioneller Ersatzteilhändler ein originales, neues Lichtumschaltrelais für eine Lancia Flavia an. Dies auch noch zu einem außerordentlich günstigen Preis. Blitzschnell war ich hellwach. Schließlich leuchten in meinem Flavia Coupe in Vertretung der originalen Werksausstattung  vier moderne, silbern glänzende Arbeitsstromrelais mit einer stattlichen Anzahl bunter Kabelstecker um die Wette. Soviel elektrotechnischer Zeitgeist des 21. Jahrhunderts stimmte mich nicht glücklich und führte zu einem Eintrag in das Restaurationslastenheft: <em>WICHTIG</em>, Originalität wiederherstellen!</p>
<p>Mein Jagdinstinkt war geweckt. Während der Rest vom Frühstücks-Croissant im Mundwinkel steckte, flogen meine Finger über die Computertastatur um eine erste E-Mail ins Land von Pasta und Pizza zu senden.</p>
<p><span id="more-2249"></span></p>
<p><strong>»Schatz, hast du etwas bei Zalando bestellt?«, </strong>rief ich fragend in die Wohnung, als am darauffolgenden Dienstag der Paketzusteller an der Tür schellte. »Nööö!«, tönte meine bessere Hälfte unschuldig aus dem Wohnzimmer. Zu meiner Freude sorgte ein Blick auf den Paketaufkleber schnell für Aufklärung. Absender: Elettroriricambi Auto d`Epoca &#8211; Udine/ITALIA. So fix hatte ich nicht mit der Lieferung meiner neuen elektromechanischen Stromfabrik  gerechnet. Nur leider klapperte es verdächtig im Paket.</p>
<div id="attachment_2264" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_17" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/02/Relaisplatte2.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-2264 " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/02/Relaisplatte2-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Unendliche Weiten im Paket</p>
</div>
<p>Zwei scharfe Messerschnitte später bestätigte sich mein anfänglich gehegter Verdacht. Die Elektronenschmiede hatte die Alpenüberquerung nicht schadlos überstanden. Von Schaumstoff, Luftpolsterfolie und anderen Transportschutzmaterialien befreit, aber durch zwei Bögen Zeitungspapier  mit einem Alibi geschützt, hatte das Lichtrelais auf seiner Reise ausgiebig die Weite seiner Transportbox erforscht. Auf seiner Erkundungstour zersplitterte  das schöne Bakelitgehäuse in zwanzig Einzelteile. Einen lauten, deftigen Fluch später, stand meine Hauszierde in der Bürotür. »Stimmt was nicht?«, fragte sie mit fürsorglicher Miene. Mein frustrotgefärbter Teint gab ihr wohl ausreichend Antwort. Fern dem ehelichen Gelöbnis – in guten, wie in schlechten Zeiten –  zog  sie es sicherheitshalber vor, fluchtartig die Wohnung zu verlassen. »Schaaatz, ich bin dann mal zum Einkaufen weg«, rief sie, den äußern Wohnungstürgriff schon in der Hand.</p>
<p><strong>Nachdem sich die Eruption</strong> meines Gemütszustandes wieder beruhigt hatte, entschied ich mich trotz Garantieanspruch und Rücksendemöglichkeit die Angelegenheit persönlich in die Hand zu nehmen. Wer Schweißen kann, der kann auch Kleben! <em>OKAY</em>, zwischen dem Einschweißen eines Seitenteiles und dem Zusammenkleben meines zerstörten Bakelitgehäuses lagen allein schon in der Größe der Objekte deutliche Unterschiede. Dennoch: Voller Vertrauen in die Feinmotorik meiner Hände stattete ich dem nächstgelegenen Heimwerkermarkt einen Besuch ab. Und zog mich am Wochenende mit Modellbaukleber, Feinspachtel und Minispritzpistole versorgt in mein Arbeitszimmer zurück.</p>
<p>Einfach herrlich, wie entspannend Modellbau sein kann. Als ich so die Bruchstücke der Relaisbehausung zusammenpuzzelte, verlor  ich mich in meiner Vergangenheit. Und fand mich zwei Jahre zuvor auf dem Rollfeld des Berliner Flughafens wieder. Während ich meinen Flieger nach Stuttgart bestieg, beobachtete ich die Beladung der nebenan geparkten Maschine. Kraftvoll packte dort ein Mann vom Bodenpersonal einen leuchtend roten Koffer vom Gepäckwagen und schleuderte diesen in hohem Bogen in die Ladeöffnung des Fliegers. Mit ordentlichem Getöse landete das gute Stück äusserst unsanft  auf dem Boden des Frachtraumes. »Ooh, Ooh, wenn das ein Samsonite Gold-Edition Koffer ist und dies der Eigentümer sehen könnte «, sinnierte ich kopfschüttelnd. Wie viele Höhenflüge hatte wohl meine wertvolle Fracht auf seiner Reise von Udine nach Berlin erlebt? Pünktlich zum sonntäglichen Tatort hatte ich schließlich alle Spuren des Transportdesasters beseitigt.</p>
<div id="attachment_2267" class="wp-caption alignright" style="width: 150px">
	<a class="highslide img_18" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/02/Relaisplatte31.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-thumbnail wp-image-2267 " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2013/02/Relaisplatte31-150x103.jpg" alt="" width="150" height="103" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Hätten Sie den Fehler erkannt? </p>
</div>
<p><strong>Um die ordnungsgemäße </strong>Funktion meiner elektrischen Versorgungs- und Umschaltzentrale zu prüfen, baute ich die wieder original erstellte Relaisplatte in der folgenden Woche in meine Flavia ein. Allerdings blieben die Abblendscheinwerfer dunkel und der Impuls zum Umschalten auf Fernlicht versagte seinen Dienst &#8211; kein Volt Spannung verlies das gewissenhaft rekonstruierte Relaisgehäuse. James Watt und Georg Simon Ohm hatten  scheinbar gemeinsam zu einer Verschwörung gegen mich aufgerufen. Anders konnte  ich mir den mangelnden Elektronenfluss an den Relaiskontakten und Wicklungsspulen meines Lichtumschaltrelais zunächst nicht erklären. Was folgte, waren ein paar deftige Schimpftiraden, einige hastig inhalierte Zigaretten und ein Rundflug des Schraubenziehers durch die Werkstatt. Aber Spannungsprüfer, detektivischer Spürsinn und ein scharfer Blick entlarvten schließlich eine verbogene Kontaktzunge an der Magnetspule und eine verformte Spannfeder am Hammerwerk des Umschaltrelais als Schuldige. Endlich erleuchteten die Scheinwerfer die Werkstatt.</p>
<p>Jedes Objekt der Begierde hat seinen Preis. Das schön anzuschauende Lichtumschaltrelais von C.E.A.M &#8211; Torino forderte über die finanzielle Gebühr eine ordentliche Portion Leidensfähigkeit und Nervenstärke. Es fiel nicht immer leicht einen kühlen Kopf zu bewahren, aber in den hitzigen Momenten nahm ich mir meine bessere Hälfte zum Vorbild. Stets begleicht sie ihre neueste Schuherungenschaft obendrein mit einer schmerzenden Blase am Fuss, unbeirrt kontert sie meine mitfühlenden Worte salopp mit der Bemerkung: »Macht nischt, Schatz, wenn´s vorbei is, is allet wieder jut «</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2013/02/uber-den-wolken-ist-die-freiheit-grenzenlos/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf Tour</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/07/auf-tour/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/07/auf-tour/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Jul 2012 12:29:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=1550</guid>
		<description><![CDATA[Der »Bärliner« geht gern auf Reisen.  Beflissen nutzt der stressgeplagte Hauptstädter jede sich ihm bietende Möglichkeit, der Hektik seiner hassgeliebten Stadt zu entrücken. Ob in den Süden, Osten oder Westen, ein guter Grund ist schnell gefunden, Berlin für ein paar Tage Adieu zu sagen. Erst kürzlich war auch ich auf Reisen. Eine Oldtimer-Einkaufstour führte mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>Der »Bärliner«</strong> geht gern auf Reisen.  Beflissen nutzt der stressgeplagte Hauptstädter jede sich ihm bietende Möglichkeit, der Hektik seiner hassgeliebten Stadt zu entrücken. Ob in den Süden, Osten oder Westen, ein guter Grund ist schnell gefunden, Berlin für ein paar Tage Adieu zu sagen. Erst kürzlich war auch ich auf Reisen. Eine Oldtimer-Einkaufstour führte mich in den Norden zu unseren dänischen Nachbarn.<br />
Wenn Sie nun vermuten, dass ich mir ein neuen Rover oder Lancia zugelegt habe, dann liegen Sie leider falsch.</p>
<div id="attachment_1583" class="wp-caption alignright" style="width: 164px">
	<a class="highslide img_19" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/07/Zapfsaeule1.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-1583   " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/07/Zapfsaeule1-164x300.jpg" alt="" width="164" height="300" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Ooooh, Ooooh! Reisen, zu Zeiten hoher Benzinpreise.</p>
</div>
<p>Hin und wieder kommt es vor, dass man mich beim Oldie-Kauf um Rat bittet. 30 Jahre Begeisterung für das rostige Hobby haben mein Auge und mein Wissen geschärft. Ich stehe nicht nur mit Tipps zur Seite, gelegentlich begleite ich den potenziellen Interessenten bei der Besichtigung seines möglichen Kaufobjektes. Vier Augen sehen bekanntlich mehr und Freunden hilft man schließlich gern.<br />
Vor kurzem beschloss ein guter Freund des Hauses seine kleine Oldtimersammlung um ein weiters Schätzchen zu bereichern. Auserkorenes Objekt: Ein Opel Rekord C Caravan.</p>
<p><strong>Das erste </strong>ausgewählte Auto führte uns in die Nähe von Hannover. Leider entsprach die Karre bei näherer Betrachtung nicht im geringsten der telefonischen Zustandsbeschreibung, geschweige den schönen Hochglanzbildern, die man vorab auf einer eigens zur Präsentation gestalteten Internetseite betrachten konnte. Nach einem früh morgendlichen Reisestart um sechs und nachmittäglicher Rückkehr blieb nur die Erkenntnis: Außer Spesen, nichts gewesen.<br />
Ob die vielen Spinnennetze zwischen Längsträger, Motor und Hinterachse eine verkaufsförderne Maßnahme darstellen sollten oder gewachsene Patina war, ist uns bis heute unerschlossen geblieben. Nun, wenigstens habe ich an diesem Tag hinzugelernt. Mike Sanders Korossionsschutzfett hilft nicht nur beim Hohlraumschutz, es kann auch für die Lackoberflächenversiegelung einer Motorhaube benutzt werden.<br />
Über die biologische Unruhe in meinen Körper, die mich den Reisetag über beherrschte, lege ich lieber den Mantel des Schweigens. <em>ICH BIN HALT KEIN FRÜHAUFSTEHER.</em></p>
<p><em><span id="more-1550"></span></em></p>
<p><strong>Vier Wochen später,</strong> zweiter Versuch. Diesmal steht das Objekt im dänischen Brande. Der neue Kandidat ist ein besonderes Modell. Es ist auf Commodore-Technik umgerüstet, sozusagen ein Edelkombi. In dieser Variante ist der biedere Familien-Opel niemals von den Montagebändern gerollt.</p>
<div id="attachment_1559" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_20" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/07/Commodore3.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-1559 " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/07/Commodore3-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Schnell, schneller, am schnellsten</p>
</div>
<p>Der Trip wird dieses Mal als Wochenendtour ausgelegt. Natürlich – <em>wie sollte es auch anders sein </em>– mit früher Abreise. Diesmal glücklicherweise. Ab Rendsburg fädeln wir uns dank unendlich erscheinender Baustellen auf der Autobahn in einen gefühlten Dauerstau ein. Und der verregnete Sommer macht an diesem Tag leider auch keine Ausnahme. Fortan fahren wir das Reiseziel nur noch im Schritttempo mit Scheibenwischerschnellgang an. Dass unser Reisefahrzeug nicht über nützliche Dinge wie ABS-System, Airbag oder gar modernen Navigations-Schnickschnack verfügt, muss ich wohl nur am Rande erwähnen. Schließlich sind wir Oldtimer-Fahrer. Mit  Straßenplan und Spickzettel ausgerüstet, erreichen wir am frühen Abend endlich unseren Bestimmungsort. Verfranzt haben wir uns nur ein einziges Mal.<br />
Sollte ich vielleicht meinen passenden Co-Piloten für die nächste Klassik-Rallye Hamburg-Berlin gefunden haben?</p>
<p>Im Land der Wikinger erwarten uns ein freundlicher Däne und ein strahlend weißer Opel!<br />
Zwei Stunden stecken wir unsere Köpfe unter die Motorhaube, kriechen unter das Auto, inspizieren Karosseriestrukturen und unterziehen die Schalter der Bordelektrik einem Stresstest. Zwei Probefahrten durch die idyllische, dänische Kleinstadt eingeschlossen. Der Sechszylinder klingt einfach herrlich.  Es sind genügend Erkenntnisse gesammelt, um bei einem abschließenden Abendessen die übliche Pro- und Contra Liste aufzustellen. Und eine Nacht über die gewonnenen Eindrücke zu schlafen, tut ja auch ganz gut. Also verabreden wir uns für den folgenden Tag erneut mit dem geduldigen Verkäufer.<br />
Nach einem langen Reisetag ist nichts entspannender als ein heißes Duschbad. Vorfreudig ziehe mich in der frühen Nacht in den Baderaum des Hostel Zimmer zurück. Leider hatte der Herbergsvater meiner Drei Sterne Unterkunft die Nasszelle als unnötig befunden. Nur mit WC und Handwaschbecken ausgerüstet, empfinde ich die Ausstattung kompromisslos, ergebe mich dem Umstand kommentarlos und der Tag endet pflegelos.<br />
Irgendwie hatte ich mir den Tagesabschluss  anders vorgestellt.</p>
<p><strong>Vier Uhr in der Nacht </strong>ist die perfekte Zeit um lebenswichtige Entscheidungen zu treffen. Zu dieser Stunde entschließt sich mein Reisepartner, den Rüsselsheimer Blitz in seinen kleinen Fuhrpark einzureihen. Die  Bekanntgabe seines Entschlusses beim  morgendlichen Frühstück kündigt eine neue Aufgabe für mich an: Ich werde den Edelkombi nach Hause pilotieren. Viel zu dünner Kaffee, dänische Kaugummibrötchen und eine raucherfeindliche Welt sind leider eine schlechte Grundlage für die bevorstehende Bestimmung. Aber nicht nur das: Die biologische Störung, die mich Tags zuvor heim suchte, hatte sich in der Zwischenzeit zu einem schweren Wartungsstau im Verdauungstrakt verschärft. Langsam fing ich an mir Sorgen zu machen. </p>
<div id="attachment_1563" class="wp-caption alignright" style="width: 216px">
	<a class="highslide img_21" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/07/Commodore4.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-1563  " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/07/Commodore4-300x225.jpg" alt="" width="216" height="162" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Auto gut, »Bärliner« zufrieden!</p>
</div>
<p>Der Rest des Sonntags verläuft allerdings störungsfrei. Einladende Straßen und  schönster Sonnenschein verführen mich, »Danish Dynamite« auf Herz und Nieren zu prüfen. Der Sechszylinder gibt sich problemlos und offenbart keine verstecken Schwächen; die Heimfahrt verläuft schrauberlos.<br />
Am frühen Abend kehren zwei erschöpfte, aber zufriedene Reiseveteranen ins heimische Berlin zurück. So macht shoppen Spaß.</p>
<p><strong>Einige Pötte starken Kaffee </strong>zur rechten Frühstückszeit später. »Kalle« &#8211; so heißt der Opel mittlerweile -, ist in der Zwischenzeit deutscher Bundesbürger geworden. Problemlos erhielt er nebst seiner Einbürgerungsbescheinigung auch gleich den Rentenausweis. <br />
Meine naturbedingte Uhr  funktioniert wieder einwandfrei. Es geht einfach nichts über einen gewohnten Tagesrhythmus. Zu Hause, zur vertrauten Zeit, ist es eben doch am Schönsten.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/07/auf-tour/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Patina, Denkerkinn und Anti-Falten-Creme</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/06/patina-denkerkinn-und-anti-falten-creme/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/06/patina-denkerkinn-und-anti-falten-creme/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 21 Jun 2012 06:22:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=1468</guid>
		<description><![CDATA[»Morgenstund hat Gold im Mund.« Nur leider nicht für mich! Mein innerer Motor beginnt in der Früh nicht ohne die obligatorische Tasse Kaffee zu laufen, der Zündfunke will partout nicht überspringen. Und der allmorgendliche Blick in den Spiegel manifestiert mein körperliches Wohlbefinden und Erscheinungsbild. Hämisch lacht mich eine stattliche Anzahl Falten rund um meine Augen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><div id="attachment_1475" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_22" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Faltencreme.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-1475" title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Faltencreme-300x230.jpg" alt="" width="300" height="230" /></a>
	<p class="wp-caption-text">»Substanz erhaltende Pflegemittel«</p>
</div>
<p><strong>»Morgenstund hat Gold im Mund.« </strong>Nur leider nicht für mich! Mein innerer Motor beginnt in der Früh nicht ohne die obligatorische Tasse Kaffee zu laufen, der Zündfunke will partout nicht überspringen. Und der allmorgendliche Blick in den Spiegel manifestiert mein körperliches Wohlbefinden und Erscheinungsbild. Hämisch lacht mich eine stattliche Anzahl Falten rund um meine Augen an, deutlich tiefer und ausgeprägter als am Ende eines Tages. Von der Furche an meinem Kinn ganz zu schweigen. Sie ist Zeuge der Lösung unzähliger Oldie-Rätsel, das Kinn dabei nachdenklich auf die Hand gestützt. Liebevoll bietet mir meine Gattin hin und wieder Hilfe aus ihrem reichhaltigen Sortiment zur Konservierung nachvollziehbarer, biologischer Vergänglichkeit an, stets lehne ich dann mit den Worten ab: Nein danke, das ist doch schließlich meine Originalität, meine ureigenste persönliche Patina.</p>
<p>Patina &#8211; Schlagwort und Trendthema der Oldtimer-Szene. Das verführt mich, meine Garagentore zu öffnen, ihnen Einblick in meine Philosophie zum Thema zu gewähren und Zeugnisse vergangener Tage zu präsentieren; Spurensuche im hauseigenen Fuhrpark.</p>
<p><span id="more-1468"></span></p>
<p><strong>Die alte Dame strahlt.</strong> Schon die Lackierung meines Rover P4 sorgt für den Aha-Effekt. Ist die Motorhaube erst einmal geöffnet, folgt sogleich die immer wiederkehrende Aussage des Betrachters: »Sehr schön, perfekt. Aber da müssen sie ja ständig putzen!« Mein Tantchen restaurierte ich nach der Philosophie, das Automobil müsse am Ende seiner Restaurierung besser sein als 1962 beim Rolling-Out aus der Fabrikhalle in Sollihull. Unter dieser Prämisse begann ich mein Projekt.<br />
Einen perfekten Fahrzeugrahmen, eine Hochglanzlackierung und einige überrestaurierte Einzelteile später, richtete ich mir eines Feierabends mein Antlitz in der spiegelnden Lackfläche der frisch überarbeiteten Heizungseinheit. Über das perfekt instandgesetzte Innenleben der Smith-Heizungskiste schweige ich besser; wohl dem, der auch auf innere Werte verweisen kann.  Ob jemals eine schönere Heizungsbox die Smith-Werkshallen verlassen hat?<br />
Es war der Schreckensmoment, der mir deutlich vor Augen führte, dass mein Konzept die Spuren fernerer Tage komplett zunichte machte. Folglich schrieb ich das Lastenheft um. Nun erzählen doch noch einige belassene Details ihre Biografie vom langen, gemeinsamen  Leben mit meiner Auntie und passen sich harmonisch in den Gesamteindruck der  hochwertigen Restaurierung ein.</p>
<p><strong>Auch mein Innocenti strahlt.</strong> Aber anders. Eine kleine Delle hier, ein Rostbläschen da, ein Kratzer dort. 40 Jahre Straßenkampf haben Spuren hinterlassen. Würdevoll trägt er sie zur Schau, ohne dabei unansehnlich oder gar ungepflegt zu erscheinen. Technisch ist er stets einwandfrei. Als ich ihn vor 15 Jahren von einem guten Freund übernahm, beschloss ich die kleine graue Maus beim Runden des Kilometerzählers in seine Einzelteile zu zerlegen und ihr eine ausgiebige Restauration nach Rover-Manier zu spendieren. Die Erfahrung hat mich besseres gelehrt.</p>
<div id="attachment_1480" class="wp-caption alignright" style="width: 200px">
	<a class="highslide img_23" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Inno-Web2.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-1480" title="Innocenti-KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Inno-Web2-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a>
	<p class="wp-caption-text">»Patinierter Italiener« vor standesgemäßer Kulisse</p>
</div>
<p>Eine kleine Delle schmückt den Kühlergrill. Sie ist Zeuge eines ungewöhnlichen Unfalls.  Als das Auto noch meinem Freund gehörte, saß dieser eines Nachmittages vor dem Gefährt und betätige nach erledigter Servicearbeit den Magnetschalter des Anlassers um den Motor vom Motorraum zu starten. Leider hatte er etwas vergessen&#8230;<br />
Kraftvoll setzte sich der kleine Italiener in Bewegung. Den Ellbogen schützend zwischen Rippe und Kühlergrill geklemmt, schaffte es mein Freund gerade noch rechtzeitig das Hauptzündkabel aus der Verteilerkappe herauszureißen. Glück gehabt. Der für den Abend geplante gemeinsame Kinobesuch fand trotz starker Rippenschmerzen dennoch statt.<br />
Wann immer ich diese kleine Beule betrachte, muss ich ein wenig schmunzeln. Stets frage mich dann: Darf ich diesen Beweis erlebter Geschichte überhaupt wegrestaurieren?<br />
Schließlich können nicht viele Oldtimerbesitzer von sich behaupten, dass sie versucht haben, sich mit ihrem Auto selbst zu überfahren.<br />
Nun, ich lasse das Gefährt in Würde altern, solange es nur irgendwie geht.</p>
<p><strong>Und dann </strong>gibt es noch das Lancia Flavia Coupe! Ich habe es als Restaurierungsobjekt in Zustandsnote 5 erstanden. Bisher habe ich noch kein Konzept erstellt, weder für die Arbeitsabläufe, noch für die angestrebte Zustandsnote am Ende seiner Restaurierung. Vermutlich werde ich den Mittelweg zwischen Rover- und Innocenti-Philosophie anstreben. Das scheint mir die beste Lösung für das schicke italienische Coupe zu sein.</p>
<p>Ach übrigens: Ich hab es doch getan! Heimlich schlich ich letzte Nacht ins Badezimmer und gönnte mir eine Fingerspitze aus dem Tiegel mit der Anti-Falten-Creme meiner Frau. Wahrscheinlich gibt es noch das ein oder andere Oldie-Problem zu lösen, da können ein paar Substanz erhaltene Maßnahmen am Denkerkinn auch mir nicht schaden. Und schließlich hab ich die alte Rover-Dame letzte Woche  ja auch poliert und gewachst.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/06/patina-denkerkinn-und-anti-falten-creme/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Reisesouvenirs</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/01/reisesouvenirs/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/01/reisesouvenirs/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 15:29:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=1282</guid>
		<description><![CDATA[»Ooh, Schaaatz, der ist aber süß!« Kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Mir schon. Ich kenne diesen Ausruf. Oft genug habe ich diese Worte auf Oldtimerveranstaltungen aus dem Munde weiblicher Oldie-Bewunderinnen gehört, wenn sie mit verzücktem Gesicht und verdrehten Augen vor einer liebevoll restaurierten Isetta Knutschkugel oder einem Fiat Bambino stehen. Ist das betrachtete Objekt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><p><strong>»Ooh, Schaaatz, der ist aber süß!« </strong>Kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Mir schon. Ich kenne diesen Ausruf. Oft genug habe ich diese Worte auf Oldtimerveranstaltungen aus dem Munde weiblicher Oldie-Bewunderinnen gehört, wenn sie mit verzücktem Gesicht und verdrehten Augen vor einer liebevoll restaurierten Isetta Knutschkugel oder einem Fiat Bambino stehen. Ist das betrachtete Objekt ein klassischer Mini mit Automatikgetriebe, gibt es gar kein Halten mehr.</p>
<div id="attachment_1288" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_24" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Reisesouvenier1.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img title="KlassikAuto Berlin" class="size-medium wp-image-1288" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Reisesouvenier1-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Reisesouvenirs</p>
</div>
<p>Diesmal aber drangen die Worte aus dem Munde meiner Frau in mein Ohr. Dazu noch in bedenklich veränderter Stimmlage. Mir schwante Böses, auch wenn das Corpus delicti wie üblich klein, aber dieses Mal kein automobiles Kulturgut war.<br />
Aber lassen sie mich erklären …</p>
<p><strong>Vor gut drei Jahren </strong>besuchte ich England. Auf meinem Programm standen ein Besuch der NEC Motorshow in Birmingham und ein Abstecher beim ortsansässigen Rover-Ersatzteilhändler. Das Auntie-Ersatzteillager musste aufgefüllt werden. Meine Frau begleitete mich. In der Welt weit herumgekommen, war England ein Fleckchen Erde, dass sie auf der großen Weltkugel noch nicht erkundet hatte. Ich mag es, wenn ich Angenehmes mit Praktischem verbinden kann. Was lag also näher, als die Lusttour in die West Midlands gemeinsam zu unternehmen. Bekanntlich halten Gemeinsamkeiten die Liebe frisch. Und ein altes Rover- oder Lanciagetriebe braucht schließlich auch hin und wieder frisches Öl, damit die alten Zahnräder weiter gut ineinander greifen.</p>
<p><span id="more-1282"></span></p>
<p><strong>An einem »oldtimerfreien«</strong> Reisetag führte uns ein Tagesausflug ins benachbarte Wales. Früh am Nachmittag schlenderten wir durch ein kleines, museumsreifes Dorf. Meine bessere Hälfte ist mir auf unserem Spaziergang irgendwann verloren gegangen. Die Fragmente eines Vorkriegsrennwagens hatten meine Aufmerksamkeit erregt. Versteckt in einer halb verfallenen, von Wildrosen umrankten Scheune, regte die rostige Kiste meine Träume an. Sollte mich etwa mein persönlicher Scheunenfund an diesem Tag überraschen?</p>
<p><strong>Lautes Gejaule </strong>riss mich in die Wirklichkeit zurück. Einen scharfen Blick später erluchste ich meine holde Gattin, die sich angeregt mit einem alten Mann unterhielt, dessen Erscheinungsbild die Frage aufwarf, ob er der letzte Überlebende der Schlacht bei Trafalgar sei. Ein stattliches Rudel Hundewelpen tobte lautstark um die beiden herum. Und einer von diesen Quälgeistern befand sich auf den Armen meiner Frau. Einen tiefen Seufzer später wurde ich Teil einer Zukunft weisenden Plauderei. Na ja, was soll ich sagen. Sie kennen halt meine Hauszierde nicht. Rollende Augen, der magische Satz: »Ooh, Schaaatz &#8230;«,  und die Aussicht vom »Schlechtwettergassigehen« befreit zu sein, zerstreuten meine Bedenken. Nach einer Tasse »Tee um fünf« war der Deal perfekt.</p>
<p><strong>Meine Frau hatte ihren Hund,</strong> ich meine Ersatzteile. Zufrieden machten wir uns zwei Tage später  auf die Heimreise. Und bestanden unser erstes Abenteuer mit unserem neuen Familienmitglied. Das hatte sich bei einem Halt an einer Einfahrt in einen Kreisverkehr aus dem offenen Seitenfenster aus dem Staub gemacht, rannte im stärksten britischen Feierabendverkehr über den Asphalt, um schließlich das im Rondell aufgestellte Denkmal einer scheinbar erinnerungswürdigen Persönlichkeit anzupinkeln. Ein Hupkonzert später hatten wir unser Baby wieder eingefangen. Es saß brav unter der Denkmalsinschrift, auf dem in großen, goldenen Letter zu lesen stand: Sir Henry Tudor VII, *28.1.1457-+21.4.1509.<br />
»Schaaatz«, murmelte meine Frau, »Henry ist doch ein schöner Name für unseren Kleinen, oder?«. »Hmm, wenn Du meinst!«, grummelte ich ihr entgegen. Klar, dachte ich mir, Heinrich klinge doch viel, viel besser. Nun ja, aber wenigstens würde der Vierbeiner gut zu meinem alten Rover passen.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2012/01/reisesouvenirs/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Röntgenblick, die Kunst der Verdrängung, und ein Autor der Besserung gelobt</title>
		<link>http://www.klassikauto-berlin.de/2011/11/rontgenblick-die-kunst-der-verdrangung-und-ein-autor-der-besserung-gelobt/</link>
		<comments>http://www.klassikauto-berlin.de/2011/11/rontgenblick-die-kunst-der-verdrangung-und-ein-autor-der-besserung-gelobt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 12 Nov 2011 16:48:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>M.Pohle</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mit Motoroel geschrieben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.klassikauto-berlin.de/?p=1133</guid>
		<description><![CDATA[Haben sie sich schon einmal gefragt, warum technische Gegenstände immer das Zeitliche segnen, wenn der Moment vollkommen unpassend erscheint? Die Waschmaschine quittiert ihren Dienst natürlich während des Hauptwaschganges. Vorsorglich an einem Sonntagvormittag. Zwischen dem Frühstück und den Vorbereitungen für den geplanten Familienausflug. An welchem Tag denn sonst? Gäbe es einen besseren? Schließlich wurde schon im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p></p><div id="attachment_1140" class="wp-caption alignright" style="width: 300px">
	<a class="highslide img_25" href="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Werkzeug.jpg" onclick="return hs.expand(this)"><img class="size-medium wp-image-1140 " title="KlassikAuto Berlin" src="http://www.klassikauto-berlin.de/wp-content/uploads/2012/06/Werkzeug-300x225.jpg" alt="... gerade dann, wenn man es dringend braucht." width="300" height="225" /></a>
	<p class="wp-caption-text">Wichtiges versagt seinen Dienst, ...</p>
</div>
<p><strong>Haben sie sich schon einmal gefragt,</strong> warum technische Gegenstände immer das Zeitliche segnen, wenn der Moment vollkommen unpassend erscheint? Die Waschmaschine quittiert ihren Dienst natürlich während des Hauptwaschganges. Vorsorglich an einem Sonntagvormittag. Zwischen dem Frühstück und den Vorbereitungen für den geplanten Familienausflug. An welchem Tag denn sonst? Gäbe es einen besseren? Schließlich wurde schon im alten Testament der Sonntag zum Ruhetag erkoren. Die Liste unser geliebten Haushaltsgeräte, die das tägliche Leben so angenehm gestalten und im ungünstigsten Augenblick versterben, lässt sich beliebig fortsetzen. Kaffeemaschine, Computer, Fernseher, Lockenstab der Ehefrau, und so weiter. Sie kennen das.</p>
<p>Aber wie sieht es eigentlich in meiner Garage aus?</p>
<p><span id="more-1133"></span></p>
<p><strong>Lassen sie mich </strong>vorweg eines erwähnen. Ich liebe altes Werkzeug. Ein Großteil meines Equipments ist 15 oder mehr Jahre alt. Vom Schutzgasschweißgerät über den Kasten mit dem Motometer Kompressiondruckprüfer bis hin zum Stabschleifer. Ziehe ich die Schublade meines Werkzeugwagens auf, in dem die Stecknüsse lagern, lacht mich noch immer freudestrahlend jener Nusssatz an, mit dem vor über fünfundzwanzig Jahren meine Oldtimerschrauberei begonnen habe. Nur die »Siebzehner« habe ich irgendwann einmal ersetzten müssen. Qualität und artgerechter Umgang zahlt sich eben halt aus. Meistens jedenfalls.<br />
Wenn Sie nun vermuten, dass dies nicht immer der Fall ist, dann haben sie recht.</p>
<p><strong>Zum Einen </strong>hat sich auch bei mir über die Jahre hinweg der Schlendrian eingeschlichen, was sich darin bemerkbar machte, dass sich die obligatorische Freitagnachmittagwerkzeugpflege in die Vergessenheit verabschiedete. Zum Anderen steht die Werkstatt den heimischen Tücken der Elektrowelt  in nichts nach. Oder können sie etwa mittels Röntgenblick den Zustand der Kohlebürsten in  ihrer Bohrmaschine beurteilen? Von den Lagern ihrer Flex oder des Stabschleifers ganz zu schweigen. Ich nicht. Folglich ignorierte ich die ersten leisen Geräusche, die der elektrische Schleifhelfer von sich gab. Auch dann noch, als diese eine bedenkliche Lautstärke annahmen. Schließlich hatte das Gerät ja trotz allem beflissen seine ihm zugedachte Arbeit erfolgreich verrichtet. Und wenn er anschließend im Werkzeugwagen verschwunden war, stellte sich das Problem für mich nicht mehr. Verdrängen nennt man diese Eigenschaft der menschlichen Psyche. Mein Umdenken setzte erst ein, als sich das Gerät nur noch unter Zuhilfenahme eines 45° Winkels über Kopf zu seiner Arbeit überreden lies. Doch da war es, wie immer, schon zu spät. Es versteht sich von selbst, dass ich natürlich gerade in diesem Moment mit einer »Terminarbeit« beschäftigt war, die an einem Samstagnachmittag keinen Aufschub mehr duldete. Schließlich musste das letzte  Blech noch schnell eingeschweißt und verputzt werden, bevor der Oldie am Montag zum Lackierer sollte.</p>
<p><strong>Perfekt ist der Weltuntergang,</strong> wenn das heißgeliebte Schutzgasschweißgerät gegen seinen Dienst protestiert. Mir leider mitteilt, dass es seinen Drahtvorschub eingestellt hat. Das Gerät ist natürlich neunzehn Jahre alt. Und »bezahlt«. Es hat so viele Kleinarbeiten, als auch Großprojekte hinter sich gebracht, dass ich ihm eigentlich nicht hätte böse sein dürfen, als es an einem Donnerstagnachmittag nicht mehr funktionieren wollte. Aber leider musste ich am darauffolgenden Montag einem Kunden einen fertig geschweißten Fiat 500 präsentieren. Fix.</p>
<p><strong>Ich beschloss,</strong> der Angelegenheit mit meinen eingeschränkten Kenntnissen über Elektrotechnik auf den Grund zu gehen. Der Ohnmacht nah, stand  ich am Ende vor einem zerlegten Schweißgerät. Wissend, dass auf der überschaubar anmutenden Platine vermutlich nur ein Kleinbauteil defekt ist, das im Elektronikfachmarkt für weniger als zwei Euro zu haben ist. Aber welches? Die nachbarschaftliche Servicehotline für Elektroprobleme war natürlich   an diesem Tag nicht besetzt. Im Übrigen: Haben sie schon einmal versucht in ihrem Bekanntenkreis einen guten Elektriker aufzutreiben? Vermutlich Fehlanzeige. Zähneknirschend habe ich mich am nächsten Vormittag dazu entschieden, mir in einem großen, renommierten Handwerkerfachmarkt ein neues Gerät zu kaufen. Vom gleichen Hersteller wie das Altgediente. Was man heutzutage so alles an technischer Innovation in diesem Segment erwerben kann, lässt für einen Semiprofi wie mich eigentlich keine Wünsche offen. Von vollelektronischer Schweißsteuerung bis hin zur Wasserkühlung. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt -  außer in meinem Geldbeutel. Leider kann ich mir keinen »Maybach« leisten. Also wurde es ein kleineres Modell. Wenn ich ehrlich bin, war es auch nur ein Kompromiss zu meinem geliebten, in Ehre ergrauten Oldie. Aber der Kampf gegen die Zeit musste einfach gewonnen werden.</p>
<p><strong>Endlich</strong> stand das neue Gerät zusammengebaut und  einsatzbereit vor dem Einsatzobjekt. Ich hatte mich schon, wenn auch missgelaunt, damit abgefunden, dass Honorar für den Bambino als Investitionszulage für die Garage abzuschreiben. Hätte mich nicht ein zischendes Geräusch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Gasverlust über das Steuerventil im Handgriff lautete meine Diagnose. Irrreparabel dank moderner Modulbauweise. Und das bei einem neuen Schweißgerät! Für mein Altes hätte ich ein passendes Austauschteil im Regal gehabt. Überhaupt fragte ich mich, wie viel Vertrauen der Mensch eigentlich noch in sogenannte Qualitätskontrollen haben darf. Sieht man einmal davon ab, dass meine Gemütslage in jenem Moment der eines feuerspeienden Vulkanes gleichkam. Sie glauben mir nicht? Die Geschichte ist pure Realität.</p>
<p><strong>Am Montag darauf </strong>habe ich den kleinen Italiener pünktlich übergeben. Es hat  mich die Hälfte des Inhaltes meiner Schweißgasflasche gekostet. Das neue Schutzgasschweißgerät habe ich am darauffolgenden Tag wieder  in den renommierten Handwerkerfachmarkt zurück gebracht. Und mir mein Geld erstatten lassen. Dank der Hilfe eines befreundeten Elektrikers, der den Sonntag für mich geopfert hatte, um  mein »bewährtes Stück« zu reparieren. Wie vermutet, war nur ein preiswertes Relais defekt. Es hatte seine Schaltaufgabe eingestellt. Und auch die Lager im Stabschleifer sind wieder neu. Zehn Euro und eine Stunde Zeit sorgten dafür, dass er wieder einwandfrei für die nächsten zehn Jahre seine Arbeit verrichten kann. Jetzt wissen sie warum ich altes Werkzeug schätze. Das lässt sich reparieren.</p>
<p>Der Kompressor macht in letzter Zeit Geräusche. Ein neuer Keilriemen liegt aber schon zur Montage bereit.</p>
<p>Ach ja, die liebe Oldtimerei.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.klassikauto-berlin.de/2011/11/rontgenblick-die-kunst-der-verdrangung-und-ein-autor-der-besserung-gelobt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
